Kardinal Robert Sarah, geboren 1945 in Ourous, Guinea, sorgt für Unruhe. Foto: kna

Benedikt XVI. ist nicht Co-Autor des Buches von Sarah

Benedikt XVI. hat sich von der Autorenschaft des Buches über Priestertum und Zölibat distanziert, das Kurienkardinal Robert Sarah herausgegeben hat (wir haben berichtet).

Roland Juchem und Alexander Brüggemann, kna


Erzbischof Georg Gänswein, Privatsekretär von Benedikt XVI., sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur am Dienstag, er habe Sarah am Dienstagmorgen auf Bitten des emeritierten Papstes angerufen, dieser möge beim Verlag die Entfernung von Namen und Bild Benedikts XVI. vom Bucheinband veranlassen. Sarah liefert in einer eigenen Erklärung vom Dienstag eine andere Darstellung.

Auch solle die Unterschrift Benedikts XVI. unter Einführung und Schlussfolgerungen in dem Buch «Des profondeurs de nos coeurs» (Aus den Tiefen unserer Herzen) gestrichen werden, weil er diese nicht mitverfasst habe.

Ein Beitrag ist von Benedikt

Der Beitrag mit dem Namen des Emeritus im Hauptteil sei allerdings «100 Prozent Benedikt», so Gänswein. Das Buch sollte am Mittwoch in Frankreich sowie im Februar auch in den USA und Deutschland erscheinen.

Den Text über das Priestertum habe der emeritierte Papst im Sommer 2019 geschrieben, so Gänswein. Diesen habe Benedikt XVI. Sarah auf dessen Bitten zur freien Verfügung gegeben. Er habe auch gewusst, dass der Text in einem Buch erscheinen solle. Benedikt XVI. sei aber nicht über die tatsächliche Form und Aufmachung des geplanten Buches informiert gewesen, so Gänswein.

«Destillat» des Kardinals

Sarah hatte bereits via Twitter drei Schreiben Joseph Ratzingers veröffentlicht, die mit «Benedetto XVI» unterzeichnet sind. Tatsächlich erschliesst sich daraus keine Co-Autorenschaft des Ex-Papstes für Sarahs neues Buch; sondern dass Sarah aus einem sieben Seiten umfassenden Text Ratzingers zum Priestertum ein Destillat angefertigt hat, dem er, Ratzinger, am 25. November eine Freigabe zur Publikation erteilte.

Am Dienstag twitterte der Kardinal eine offizielle Erklärung, die der Darstellung Gänsweins widerspricht. Er, Sarah, habe Benedikt XVI. am 19. November ein komplettes Manuskript inklusive Deckblatt zugeschickt, dem dieser mit seinem Schreiben vom 25. November die Freigabe erteilt habe. Anfang Dezember habe er den emeritierten Papst noch einmal besucht und die Publikation für 15. Januar avisiert. Anfang Januar habe er Benedikt XVI. nach seiner Rückkehr aus seiner Heimat Guinea ein Exemplar übergeben wollen.

«Ein Missverständnis»

Sekretär Gänswein erklärte weiter, die Frage der Rechte an dem Text, der von Benedikt XVI. stammt, sei nicht geklärt. So hätte der Emeritus als Co-Autor einen Vertrag mit dem Verlag Fayard schliessen müssen, den es aber nicht gebe. «Es handelte sich um ein Missverständnis, ohne dabei die guten Absichten von Kardinal Sarah in Zweifel zu ziehen», so Gänswein.

Die Vorabveröffentlichung von Auszügen in der Zeitung «Le Figaro» am Montag hatte eine breite Debatte ausgelöst, der frühere Papst falle damit dem Amtsinhaber Franziskus in den Rücken. Begründet wird dieser Gegensatz mit dem von Franziskus angekündigten nachsynodalen Schreiben zur Amazonas-Synode.

Pastorale Notwendigkeit

Deren Teilnehmer hatten sich zum Abschluss mehrheitlich für eine begrenzte ausnahmsweise Lockerung des Zölibats ausgesprochen, um gegebenenfalls Ständige Diakone zu Priestern weihen zu können. Franziskus selbst hat aber mehrfach betont, dass er für keinen freiwilligen Zölibat sei. Ausnahmen könne es allenfalls in sehr entlegenen Gebieten bei pastoraler Notwendigkeit geben.

Der frühere Leiter der vatikanischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, verteidigte unterdessen die Wortmeldung Benedikts XVI. zum Zölibat und wies zugleich einen Sonderstatus als emeritierter Papst zurück. «Wir haben keine zwei Päpste, es gibt nur einen Papst, Franziskus», sagte Müller der italienischen Zeitung «Corriere della Sera» von Dienstag). Die Anrede als Papst emeritus sei eine Höflichkeitsform. «In Wirklichkeit ist Benedikt XVI. ein emeritierter Bischof», so der Kardinal.

15. Januar 2020
erstellt von «pfarrblatt» online
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