Der aktuelle Vorstand des Katholischen Frauenbunds Bern. Vorne rechts: Co-Präsidentin Michaela Schade Rubi Foto: zVg

Bernerinnen haben klare Erwartungen an die Bischöfe

Der Schweizerische Katholische Frauenbund hat der Bischofskonferenz sieben Forderungen überreicht. Der Kantonalverband Bern unterstützt diese.

Autorin: Sylvia Stam

Sieben Forderungen für mehr Gleichberechtigung in der katholischen Kirche Schweiz hat der Schweizerische Katholische Frauenbund (SKF) anfangs dieser Woche der Schweizer Bischofskonferenz übergeben. Darin heisst es beispielsweise: «Auf allen kirchlichen Stufen werden Quoten bezüglich der Vertretung von Frauen in Leitungsgremien definiert. Frauen werden verbindlich in die Entscheidungsprozesse einbezogen.»

Auch das in der «Junia-Initiative» formulierte Anliegen greift der SKF auf. Demnach sollen Frauen, die sich dazu bereit fühlen, «von Bischöfen offiziell beauftragt werden, z.B. zu taufen oder die Krankensalbung zu spenden.» Ausserdem erwartet der SKF, dass «Frauen mit beratender Stimme als ständige Teilnehmerinnen» für die Vollversammlungen der SBK ernannt werden.

Der Katalog ist eine Frucht der historisch erstmaligen Begegnung, die im September zwischen Frauenbund und Bischöfen stattgefunden hat. Formuliert wurden sie von der gemeinsamen Arbeitsgruppe, zu der seitens der Bischöfe Denis Theurillat, Weihbischof im Bistum Basel, und Generalsekretär Erwin Tanner gehören.

Realistische Etappenziele

Auch der Katholische Frauenbund Bern unterstützt diese Forderungen. Die konkreten Formulierungen seien «eine notwendige Grundlage für das weitere Vorgehen auf dem Weg einer Erneuerung der Kirche», sagt Co-Präsidentin Michaela Schade Rubi im Namen des Vorstands auf Anfrage. Es seien «realistische, realisierbare Etappenziele», und nicht etwa unerreichbare Utopien.

«Wir können uns sogar vorstellen, dass der Forderungskatalog eine Hilfe ist für Bischof Felix Gmür, der in der SBK oft auf alleinigem Posten steht.» Mit diesem Katalog könne er belegen, dass es dem SKF nicht um Macht gehe, «sondern um ein respektvolles, einander wertschätzendes Miteinander auf dem Weg zu zeitgemässen Strukturen in unserer Kirche», so Schade Rubi weiter.

Sakramentenspendung unabhängig vom Geschlecht

Zu den konkreten Forderungen meint sie: «Es wäre wünschenswert, dass die Qualifikation entscheidend ist ohne Berücksichtigung des Geschlechtes.» Deshalb stehe der Kantonalverband Quotenregelungen grundsätzlich skeptisch gegenüber. Allerdings würden sich «gewisse Türen in der katholischen Kirche ohne verbindlich festgelegte Quoten wohl nicht für die Frauen öffnen.»

Auch das Anliegen der Junia-Initiative unterstützt der Berner Frauenbund und geht sogar einen Schritt weiter: «Jede Seelsorgerin, insbesondere Gemeindeleiterinnen, sollten so beauftragt sein.» Dasselbe gelte für Seelsorger. Die Befähigung zur Spendung der Sakramente sollte nicht an das Geschlecht gebunden sein, so Schade Rubi.

Wenig Bezug zur Realität von Frauen

Sie würde auch die ständige Teilnahme von Frauen an den Vollversammlungen der Bischöfe begrüssen: «Dies ist nicht nur sinnvoll, sondern notwendig. Die Bischöfe haben mitunter keinen oder zu wenig Bezug zur Realität der Frauen in ihrer Kirche. Die ständige Präsenz von Frauen in der SBK würde die Bischöfe zwingen, die Frauen wahrzunehmen.» Diese Frauen könnten ausserdem eine Unterstützung für Bischof Felix Gmür in seinem Engagement für mehr Gleichberechtigung sein.

«Wir fordern nur, was ohne Segen von Papst und Rom umsetzbar ist», erklärte SKF-Präsidentin Simone Curau-Aepli gegenüber dem Tages-Anzeiger vom Samstag. Darum habe man bewusst auf das Postulat der Frauenordination verzichtet. «Weil das für die Bischöfe nicht akzeptabel ist.»

An ihrer Vollversammlung vom 30 November bis 1. Dezember, die virtuell stattfand, hat sich die SBK mit den Forderungen auseinandergesetzt, heisst es im Communiqué dazu. Der SKF werde im direkten Gespräch über die Überlegungen der Bischöfe informiert. «Ich stelle mit Freude fest, dass sich der Prozess in einem positiven Geist weiterentwickelt», betonte Weihbischof Denis Theurillat, der innerhalb der SBK für Frauenfragen zuständig ist, gemäss Mitteilung.

3. Dezember 2020
erstellt von «pfarrblatt» online
  • Pfarrblatt / Angelus