Wie sag ich es bloss, damit man mich versteht? Foto: photocase

Bessere Predigten

Der Basler Bischof Felix Gmür schickt seine Seelsorgerinnen und Seelsorger in einen Predigtkurs. Predigen sei eine Kunst, die in der Medien- und Unterhaltungsgesellschaft grosse Konkurrenz bekommen hat, teilte das Bistum Basel mit. Im zweiten Halbjahr werden daher mehrere Predigtseminare angeboten, die jeweils einen Kurstag umfassten, sagte Thomas Kyburz-Boutellier, der Bildungsverantwortliche des Bistums Basel.

Predigen sei Kommunikation mit den Gottesdienstbesuchern, mit der die predigende Person letzteren Anregungen für den Glauben und den Alltag mitgeben solle, sagte Kyburz-Boutellier weiter. Weil auch das Predigen zu einem Alltagstrott werden könne, seien neue Inputs eine wertvolle Hilfe.

Bischof Gmür ermuntere die Seelsorgenden auch, am diesjährigen Schweizer Predigtpreis teilzunehmen, heisst es in der Mitteilung weiter. Dieser wird vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund 2017 zum zweiten Mal verliehen. Mitmachen können auch Katholiken.

Die Verlautbarung zu den geplanten Seminaren erregte grosses Interesse in den Medien. Der «Blick» etwas titelte: «Schluss mit langweiligen Predigten! - Das Bistum Basel schickt seine Seelsorger zum Nachsitzen.» Hansruedi Huber, Kommunikationsverantwortlicher des Bistums Basel, erklärt sich das ungewöhnlich grosse Medienecho mit der umstrittenen Attraktivität von Predigten. Und wenn ein Bischof in der Karwoche «spannende Predigten» forderte, sei das aussergewöhnlich.

Die Schlagzeile des «Blick» wirft auch andere Fragen auf. Die Seelsorger zum «Nachsitzen» zu schicken, mag einigen vielleicht sauer aufstossen. Huber stimmt zu: Ein paar Seelsorgende hätten die Message als Vorwurf aufgefasst. Dabei habe man ja nicht gesagt, die Predigten seien langweilig, sondern dass man an der Predigtkunst arbeiten wolle. «In der Wirtschaft spielt die Qualitätskommunikation ja auch eine entscheidende Rolle. Niemand würde sich darüber aufregen, denn für die Kunden und das Markenimage ist es durchaus von Interesse, wenn über Qualitätsentwicklung gesprochen wird.»

Durchgeführt wird der Kurs durch den Fachbereich Bildung des Bistums Basel, in Zusammenarbeit mit Referentinnen und Referenten, die in der Predigt- und Rhetorikausbildung tätig sind.

Qualitative Verbesserung im Bereich der Predigten ist auch im Kanton Aargau ein Thema. Die «Aargauer Zeitung» hat eine Serie gestartet, in der Autor Thomas Wehrli Predigten rezensiert: Er besucht Predigten im und ums Fricktal und benotet sie - ganz pragmatisch anhand Kriterien wie «Kirche», «Prediger», «Technik» oder «Mitgehe-Faktor». Wie das ankommt und was es bringt lesen Sie im Artikel von kath.ch.

kath.ch/sch

Hören Sie hier den Beitrag im Regional-Journal vom 12.4.2017 oder den Artikel im Blick

 

Predigt, Homilie... Was ist das eigentlich?
Für viele Gläubigen ist die Predigt einer der Höhepunkte des Gottesdienstes. Doch was ist die Predigt überhaupt? Ein theologischer Exkurs.
Mit der Predigt verbindet man allgemein den Begriff Homilie. Jedoch, Homilie und Predigt sind theologisch gesehen zu differenzieren. Predigt, vom lateinischen praedicare für ,,preisen’’, ist definiert als eine Lobrede auf Gott, seine Werke und Taten. Die Predigt soll Leute begeistern und weist einen deutlich missionierenden Charakter auf: Predigen ist das, was die Apostel bei all den Völkern taten, die sie besuchten.
Die Homilie dagegen ist lehrender zu charakterisieren. Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie ,,vertraut miteinander reden’’. Das ,,vertraut’’ zeigt sich vor allem an der Zielgruppe: So richtet sich die Homilie in erster Linie an die christliche Gemeinschaft, welche es zu unterweisen gilt. Der Charakter der Homilie ist ein lehrender, auslegender. In ihr wird die Heilige Schrift ausgelegt und interpretiert. Vorbehalten ist die Homilie wegen ihrem dozierenden Charakter, und weil sie Teil des kirchlichen Lehramtes ist, den Priestern, Diakonen und Bischöfen.
Kein ,,homilieren’’ also für Nichtpriester: Die dürfen sich zwar in der Lobesrede auf Gott üben, also predigen, die Bibelauslegung bleibt aber nach liturgischer Regel Sperrgebiet für Laien.

26. April 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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