pfarrblatt:

News-Artikel

Beten - bitten - danken

Eigenartig: Selbst bekennende Atheisten schicken ab und zu ein Stossgebet zum Himmel. Ist das bloss ein Reflex aus der Kindheit? Ich glaube nicht. Ich denke eher, dass alle Menschen in speziellen Momenten ihre Abhängigkeit spüren und sich als vom Leben Beschenkte oder vom Tod Bedrohte erleben. Vor allem in Notsituationen, wenn Menschen an Grenzen kommen und sich ohnmächtig fühlen, beginnen sie zu beten. Aber Gott wird nicht einschreiten. Gott hat keine Hände. Gott ist weder Ambulanz noch Feuerwehr. Trotzdem macht Beten Sinn. Im Beten bereiten wir uns auf Situationen vor, die es zu bewältigen gilt. Wir öffnen uns für das, was uns erwarten kann, sei es noch so schrecklich. Wir stimmen uns ein. Wir üben das positive Denken. Wir üben Geduld, vielleicht nur still und wortlos. Wir lernen, jenen Teil der Realität, der nicht zu ändern ist, anzunehmen. Wir schöpfen Kraft und Mut, um den Teil der Realität, den wir ändern können, zu ändern, gegen innere und äussere Widerstände. Die edelste Form des Betens ist das Danken. Darin anerkennen wir, dass unser Leben und unser Glück nicht allein von uns und unseren Leistungen abhängen. Wir begreifen, dass wir andere Menschen und manchmal auch den glücklichen Zufall brauchen und tatsächlich immer wieder Hilfe erhalten. Beten ist Reden mit Gott, mit sich selbst, mit den Menschen, mit der Sehnsucht in uns allen. Es verbindet mich mit dem Geheimnis von allem. Und es motiviert mich zum solidarischen Handeln aus Dankbarkeit für das Erreichte und Erhaltene.

Das Lebenshaus unseres Glaubens gleicht einer grossen Kathedrale, an der seit nunmehr 2000 Jahren ununterbrochen gebaut wird. Unzählige Bauherren haben  daran mitgewirkt: die frühchristlichen Gemeinden und Evangelisten, der   Glaubenssinn von Millionen Menschen, das kirchliche Lehramt, Prophetinnen und   Propheten. José Balmer schreibt über seinen Glauben. Ganz persönlich. In den  1980er Jahren lebte er in Bolivien. Sein Glaube ist von den Erfahrungen in dieser  Weltgegend geprägt.

Wer auf seine Anregungen einsteigen will, kritisch, zustimmen oder ergänzend, kann das in unserem begleitenden Forum tun (Online-Formular, Email).

17. September 2014