«Shibashi wird in langsamen, fliessenden Bewegungen vollzogen. Ein Gebet mit dem Körper eben.» Felix Weder. Foto: Sebastian Schafer

Beten für den Frieden

Seit den späten 1990er Jahren breitete sich über das katholische Hilfswerk Fastenopfer die Bewegungsmeditation Shibashi in den Pfarreien der Schweiz aus. Seither gibt es in verschiedenen Kirchgemeinden und Pfarreien Shibashi-Gruppen, die sich steigender Beliebtheit erfreuen. Am 14. und 15. August findet zum zweiten Mal ein Shibashi-Weltfriedenstag statt. Theologe und Shibashi-Lehrer Felix Weder war von Anfang an dabei.

«pfarrblatt»: Felix Weder, was ist Shibashi?
Felix Weder: ‹Shi› kommt von Qi und bedeutet Energie, ‹ba› bedeutet die Zahl Acht und den Begriff ‹mehr›. Man kann sich eine liegende Acht vorstellen für das immerwährende Kreisen. Shibashi bedeutet so eigentlich die Arbeit an der Energie des Menschen in Körper und Seele.

Es ist eine Bewegungsmeditation aus dem asiatischen Raum?
Ja. Shibashi besteht aus 18 bestimmten Figuren mit poetischen Namen aus der Natur, die man in fliessenden Bewegungen vollzieht. Es ist eine Kombination von Tai-Chi und Qi Gong und stammt aus China. 1979 wurden die konkreten 18 Übungen nach medizinischen Gesichtspunkten von Professor Lin Housheng kreiert. Das Hilfswerk Fastenopfer brachte ab 1995 diese Bewegungsmeditation in die Schweizer Kirchen. Die damalige Beauftragte für die Philippinen, Antoinette Brem, lernte bei Franziskanerinnen diese Meditationsart kennen.

Warum und wozu?
Die philippinischen Ordensfrauen wollten der Schweiz als Dank für die finanzielle Unterstützung etwas zurückgeben. Sie übten schon eine geraume Zeit Shibashi. Viele sozialpolitisch engagierte Ordensleute in den Philippinen waren im jahrzehntelangen Widerstand gegen die Diktatur ausgebrannt. In all ihren schwierigen Zeiten hielten sie sich durch diese 18 Figuren fit und belastungsfähig.

Nun findet zum zweiten Mal Shibashi für den Weltfrieden statt. Was ist die Idee dahinter?
Man fühlt sich oft ziemlich hilflos, wenn man mit dem Elend der Welt, mit Kriegen in Syrien, Flüchtlingselend, Armut in verschiedenen Ländern konfrontiert ist. Man kann demonstrieren, kann Geld spenden, man kann beten.Wir wollten etwas Zusätzliches anbieten, das der Einzelne mit Körper und Seele für den Frieden beitragen kann mit Körper und Seele. Rund um die Welt üben verschiedenste Gruppen an diesen zwei Tagen, dem 14. und 15. August, bewusst Shibashi für den Frieden.

Die Idee kommt von den philippinischen Ordensfrauen?
Nein, sie entstand hier in der Schweiz, im Schweizer Netzwerk Shibashi, aber mit dem Einverständnis der Schwestern, die dann ihr weltweites Netzwerk dafür begeistern konnten.

Für den Frieden beten oder meditieren, reicht das aus?
Wenn Shibashi-Übende zusammenkommen, ist es gut möglich, dass jemand Verbindung hat mit Menschen in Afghanistan, im Tibet oder in Syrien. Es gibt immer Menschen die in Verbindung stehen mit den Ländern, die es schwierig haben. Das war ja auch mit den Philippinen so. In kleineren Gruppen gibt es auch immer wieder Menschen, die mit einem Schicksal aus dem Bekanntenkreis oder der Familie konfrontiert sind, mit Krankheit oder Tod. Dann nimmt man dieses Mitfühlen auch in das Shibashi-Üben mit hinein. Wir sagen am Anfang, dass wir dieser Person oder den betroffenen Ländern gedenken. Ich bin überzeugt und Messungen belegen das: Wenn in einem Dorf viele meditieren, dann verändert das die ganze Gemeinschaft. Wer Yoga praktiziert, in einer Gebetsgruppe mitmacht, Gottesdienste feiert, weiss davon.

Wie verbinden Sie als katholischer Theologe christliche und asiatische Spiritualität?
Nach jeder Shibashi-Stunde bete ich mit meinen Gruppen das Vaterunser. Das ist absolut stimmig. Shibashi wird in langsamen, fliessenden Bewegungen vollzogen. Ein Gebet mit dem Körper eben. Zu Beginn steht man gerade hin, verbunden mit der Erde, Rückgrat und Kopf sind mit einem imaginären Faden mit dem Himmel verbunden. Der Übende wird so zu einer Verbindung zwischen Himmel und Erde. Wenn dieses ruhige Stehen aufmerksam gelingt, kann dies das Herz, die Mitte öffnen, Körper und Leben verbinden. Man kann wach werden für das Leiden anderer oder für soziale Not. Dann sind gewisse theologische Fragen wirklich nicht mehr relevant (lacht).

Interview: Jürg Meienberg

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26. Juli 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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