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Bischofsamt, das –

Wir Christ*innen und die Religion allgemein haben’s bekanntlich mit Parabeln und sprechenden Bildern. Das ist auch verständlich, ist es doch meist nicht leicht verständliche Kost, die uns vermittelt werden soll. Die Kirche bedient sich dabei besonders häufig beim Schäferhandwerk.

Der gute Hirte, das Lamm Gottes, die Schäfchen der Kirche, das verlorene Schaf, die Liste ist beliebig erweiterbar. Und wer schon einmal den Bischof bei einem Gottesdienst vorstehen gesehen hat, weiss auch, dass die Hirtenmetapher praktische Anwendung findet, in Exzellenz‘ oben gekrümmtem Hirtenstab zum Beispiel.

Der Bischof als Hirte – ein vielbeschworenes Bild. Dabei bedeutet «Bischof», aus dem altgriechischen Episkopos, eigentlich Aufseher oder Hüter. Klingt weniger idyllisch, war aber in den ersten Jahrhunderten das Konzept: ein Gemeindeältester, dem für eine bestimmte Zeit Leitungsfunktion übertragen wurde. Wie so vieles in der katholischen Kirche fiel jedoch auch diese temporäre Autoritätsfunktion der Institutionalisierung zum Opfer und wurde durch ein fixes Bischofsamt ersetzt. Dieses entwickelte sich in den folgenden Jahrhunderten zum Monepiskopat weiter, bei dem nicht mehr ein Ältestenrat, sondern ein «Monarch» in Form eines Bischofs die Gemeinde leitete. Später weiteten sich die Aufgaben aus, nun standen Bischöfe mehreren Gemeinden vor und waren den Priestern übergeordnet. Und wie so vieles wurde auch das Bischofsamt nach Vorbild der Römer gestaltet: «Diözese» bezeichnete ursprünglich ein Verwaltungsgebiet des Römischen Reiches.

Das Bischofsamt wurde mit den Jahrhunderten mächtiger, opulenter und selbstbewusster. Trotzdem sollte das Bischofsamt in engem Kontakt mit seiner Herde stehen. Ob dies heute immer so klappt, steht auf einem anderen Blatt: Wer den Blick in den letzten Jahren nach Chur richtete, mag dem nicht wirklich Glauben schenken. Trotz aller Rechtfertigung von Organisation: Die Herde sieht halt manchmal doch mit mehr Augen als der Schäfer.

Sebastian Schafer

«Katholisch kompakt » im Überblick

13. November 2019
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 24
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