Gudrun Sailer, Monsigniorina. Die deutsche Jüdin Hermine Speier im Vatikan, Aschendorff Verlag, Münster 2015, 382 Seiten, Fr. 29.90

Buch - Monsignorina

Fachfrau Im Vatikan

Sie ist eine der ersten weiblichen Angestellten im Vatikan überhaupt, sie ist Deutsche, und sie ist Jüdin: Hermine Speier (1898–1989), eine promovierte Archäologin aus Frankfurt am Main. 1928 übersiedelt sie nach Rom ans Deutsche Archäologische Institut. 1934, ein Jahr nach der Machtergreifung Hitlers, verliert sie dort bereits ihre Stelle. Noch im selben Jahr tritt sie als Fotothekarin in den Dienst des Vatikans. Drei Päpste, ein regierender und zwei zukünftige, schützen die deutsche Jüdin vor Verfolgung der kommenden Jahre.
In dieser entscheidenden Zeit ist Hermine Speier mit einem italienischen Nationalhelden verlobt: General Umberto Nobile, Luftschiff-Konstrukteur und Nordpol-Erforscher. Unter dem Einfluss ihres Arbeitsortes wird Speier immer katholischer, 1939 konvertiert sie schliesslich tatsächlich. Pius XII. schickt ein Glückwunschtelegramm. Nobile ist Taufpate, aber heiraten wird er sie später nicht.
Eine faszinierende und beinahe unglaubliche Biografie. Gudrun Sailer gelingt ein ebenso wissenschaftliches wie unterhaltsames Buch.

kr/com

20. Januar 2016
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