Buch-Tipp: Mit Charme gewinnen – kämpfend vorangehen.

Teresa von Ávila und Ignatius von Loyola, beide herausragende Persönlichkeiten der spanischen Mystik, sind sich zeitlebens nie begegnet. Theres Spirig-Huber und Karl Graf haben sie posthum in ihrem Büchlein zu einem fiktiven Gespräch zusammengeführt. Dabei hat sie besonders gereizt, Genderaspekte, soziale Klasse und interreligiöse Bezüge der beiden Heiligen zu durchleuchten.

Da ist die Frau mit jüdischen Wurzeln, der im Mittelalter ein theologisches Studium verwehrt bleibt und die auch im Kloster in den starren Gebetsformen keine Antwort auf ihre spirituelle Sehnsucht findet. Auf der anderen Seite steht der Mann aus adliger Familie, der nach einer Kriegsverletzung seine ritterliche Karriere als beendet akzeptieren muss. Für beide führen diese biografischen Details zur Suche nach Sinn und einer erfüllten Beziehung zu Gott. Sie beschreiten dabei neue spirituelle Wege jenseits gesellschaftlicher und religiöser Traditionen.

Auch unterschiedliche Auffassungen werden in der rege geführten Unterhaltung greifbar. Diese äussern sich aber nicht durch Ablehnung oder Belehrung, sondern durch Zuhören und gegenseitiges Nachfragen.

Dass sich die beiden Heiligen in moderner Sprache begegnen und einander gleichzeitig aus den Schriften zitieren, bildet einen frischen und reizvollen Denkanstoss für alle, die sich ebenfalls spirituell (neu) orientieren wollen. Für alle, die mit den Schriften der Teresa von Ávila und des Ignatius von Loyola vertraut sind, vertieft die Lektüre lebendig und unterhaltsam vorhandenes Wissen. com/ahu


Karl Graf/Theres Spirig-Huber: Mit Charme gewinnen – kämpfend vorangehen. Teresa von Ávila und Ignatius von Loyola im Gespräch über Geschlecht und Spiritualität, Reihe «Ignatianische Impulse», Band 87, Würzburg: Echter, 2020, 109 S. Fr. 12,40

5. Februar 2021
erstellt von «pfarrblatt»
  • Pfarrblatt / Angelus
  • Spirituelles
  • Bildung