Buchtipp: Von wegen Heilige Nacht!

Die Theolog*innen Simone und Claudia Paganini fassen in ihrem Büchlein zusammen, was in der Weihnachtsgeschichte widersprüchlich und laut Bibelwissenschafter*innen historisch nicht haltbar ist. Dabei wagen sie sich voller Achtung und dennoch frisch und locker an den historischen und theologisch-ehrwürdigen Kontext. Der Faktencheck bringt letztlich ernüchternd zutage, dass tatsächlich kaum belegbare Details zur Geburt Jesu vorliegen.

Wann also wurde Jesus geboren? War Maria wirklich Jungfrau, Josef alt, beide arm? Lag der Stall tatsächlich in Bethlehem? Was hat es mit der Herbergssuche auf sich? Was mit dem Stern? Welche Aufgabe kam Engeln und Hirten zu, wie fanden Ochs und Esel oder die Kö­nige den Weg an die Krippe? War König Hero­ des wirklich ein Kinderschlächter?

Das Ehepaar Paganini macht die Lesenden an konkreten Beispielen gekonnt mit der Zeit und dem spannungsgeladenen kulturhistorischen Umfeld vertraut, in welchem die Evangelien entstanden sind. Es wird offensichtlich, dass die ursprünglichen Adressat*innen dieser Schriften die zahlreichen Symbole sehr wohl deuten und ebenso zwischen den Zeilen lesen konnten. Andererseits wird verständlich, wie wesentlich linguistische Nuancen und Übersetzungsfehler unsere Vorstellung von der Heiligen Nacht mitgeprägt haben.

Ermutigende Schlussgedanken legen nahe, dass sich Menschen verschiedener Kulturen seit beinahe 2000 Jahren von der Botschaft der Evangelien bestärkt und getragen fühlen, dass sie sogar versuchen, ihr Leben danach auszurichten. Erweisen sich biblische Inhalte, also auch die Weihnachtsgeschichte, damit nicht auch ohne belegbare historische Fakten als «wahr»?

Andrea Huwyler


Simone Paganini, Claudia Paganini: Von wegen Heilige Nacht! Der grosse Fakten­check zur Weihnachtsgeschichte. Güters­loher Verlagshaus, 2020. 157 S., Fr. 22.90

9. Dezember 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 26
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