Familien sowie alleinerziehende Mütter und Väter, sind besonders armutsgefährdet. Foto: zVg

Wenn ein Zoobesuch das Budget sprengt

Trotz einer Anstellung reicht vielen Menschen das Einkommen kaum oder nur knapp zum Leben. Menschen in sogenannt prekären Arbeitsverhältnissen leben nicht nur in finanzieller Unsicherheit. Sie sind oft auch mangelhaft abgesichert gegen Jobverlust, Krankheit und Altersarmut. Zudem sind sie stark von der Corona-Krise betroffen.

Autorin: Hana Kubecek, Caritas Bern

Menschen, die in prekären Arbeitsverhältnissen leben, werden von Ängsten, Sorgen und Selbstzweifeln geplagt. Ihre Zukunftsperspektiven sind stark eingeschränkt. Besonders häufig sind Frauen, jüngere Arbeitnehmende, Personen mit tiefem Bildungsstand und Menschen ohne Schweizer Pass von diesen Missständen betroffen. Diese Umstände wirken sich nebst der Arbeit auf viele andere Lebensbereiche aus und erhöhen das Armutsrisiko. An allen Ecken und Kanten muss gespart werden, was die Betroffenen weit über das Finanzielle hinaus belastet.

Wenn es einfach nicht reicht

«Armut ist, wenn ein Tag im Zoo dein Monatsbudget sprengt», bringt Anita W. eine ihrer vielen Sorgen auf den Punkt. Anita W. ist alleinerziehende Mutter und lebt als Working Poor permanent am Rand des Existenzminimums. Nora A. sagt es so: «Armut ist, wenn du nachts wach liegst, weil du nicht weisst, wie du deine Miete zahlen sollst.» Nora A. ist Mutter von vier Kindern. Sie hat an drei Tagen pro Woche Tourist*innen-Apartments gereinigt. Dann kam Corona: Aber keine Tourist*innen mehr. Der Arbeitgeber kündigte ihr, und sie verlor per sofort ihren eh schon schlecht bezahlten Job.

Stefan M. weiss, wie es ist, mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und dadurch in die Abwärtsspirale von Krankheit und Armut zu geraten. Stefan M. lebt seit längerer Zeit von der Sozialhilfe und ist regelmässiger Kunde im Caritas-Markt, wo er sich mit günstigen Lebensmitteln eindecken kann. Er kennt die Erfahrung, mit wenig Geld am – oder gar unter – dem Existenzminimum zu leben: insgesamt eine bedrückende und im Laufe der Zeit erdrückende Erkenntnis, die, wie er sagt, «einem irgendwann die Seele bricht».

Was die aktuelle Krise zeigt

Familien sowie alleinerziehende Mütter und Väter, die sich mit prekärer Arbeit über Wasser halten müssen, sind besonders gefährdet, vollends in die Armut abzurutschen. Die Corona-Krise hat deren Lebensbedingungen noch einmal spürbar zusätzlich verschärft. Offene Rechnungen, kaum genügend Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs prägen ihren Alltag. Viele von ihnen haben von einem Tag auf den anderen ihre Arbeit verloren oder müssen aufgrund von Kurzarbeit mit einschneidenden Lohneinbussen auskommen.

Die Caritas leistet Soforthilfe

Menschen wie Anita W. und Nora A. erhalten unkompliziert Unterstützung durch Caritas Bern. Dort treffen sie auf Mitarbeitende, mit denen sie ihre Lebenssituation anschauen, ihre Sorgen und Ängste aussprechen können und Unterstützung finden. Nora A. und ihre Familie konnte zwar dank der Überbrückungshilfe ihre Wohnung behalten, aber es fehlt trotzdem an vielem: die Kinder in einen Sportverein schicken oder in ein Ferienlager? Oder für eine andere Abwechslung im Alltag sorgen? Für die vier Töchter unmöglich, weil das Geld schlichtweg fehlt.

Die in diesem Artikel erwähnten Schicksale stehen stellvertretend für die zahlreichen Anfragen von Hilfesuchenden, die die Caritas täglich erreichen. Aus Datenschutzgründen sind die Personen anonymisiert.

 


Unterstützungsaktion Corona

Caritas Bern unterstützt Menschen und Familien im Kanton Bern, die aufgrund der Corona-Krise in Not geraten sind. Dies mit Einkaufsgutscheinen für die Caritas-Märkte sowie einer einmaligen finanziellen Unterstützungshilfe.

Dank der Unterstützung der Caritas Schweiz, der Glückskette, von namhaften Stiftungen sowie grosszügigen Einzelspenden konnte Caritas Bern diese Aktion realisieren. Der Bedarf nach finanzieller Unterstützung und Beratung ist nach wie vor ungebrochen hoch.

Mit Ihrer Spende helfen Sie, armutsbetroffene Familien und Alleinstehende im Kanton Bern zu entlasten, welche sich in einer akuten Notlage befinden. Herzlichen Dank für Ihre Solidarität.
Spendenkonto: 30-24794-2

13. Januar 2021
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 2
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