Liess sich 2001 auf einem Donauschiff zur Priesterin weihen – die Katholikin Christine Mayr-Lumetzberger. Foto: alchetron

Christine Mayr-Lumetzberger

Ein Samstag Ende Juni 2002: Ein Schiff fährt auf der Donau von Passau nach Linz, mit an Bord ein ehemaliger katholischer Bischof und 7 Frauen aus Deutschland, Österreich und den USA. Der Bischof aus Argentinien weiht die Frauen auf dem Boot zu Priesterinnen. Es sind «gestandene» Frauen zwischen 40 und 70, aus der Mitte der Kirche.

Eigentlich nichts Spektakuläres. Ungewöhnlich vielleicht der Ort auf dem fahrenden Boot im «Niemandsland», im fliessenden Gewässer zwischen Deutschland und Österreich. Die Anwesenheit der vielen Journalisten macht jedoch deutlich, dass hier noch andere Grenzen überschritten werden. Nach geltendem Kirchenrecht kann in der katholischen Kirche nur ein getaufter Mann die Weihe empfangen. Zu den ersten römisch-katholischen Priesterinnen gehörte 2002 die Österreicherin Christine Mayr-Lumetzberger. Heute ist sie eine der Bischöfinnen der internationalen Bewegung. Wer Christine Mayr begegnet, dem fällt ihr Lachen auf. Humor und Zuversicht sind ihr offensichtlich nicht vergangen. Sie helfen gewiss, mit der schwierigen Situation und den zuweilen heftigen Reaktionen umzugehen.
Mayr-Lumetzberger ist sich sicher: «Ein Lächeln ... ist die beste Möglichkeit, den Menschen die Angst zu nehmen.» Mayr-Lumetzberger ist glücklich darüber, dass die Menschen sie angenommen haben, dass ein Leben so möglich sei – als Priesterin und Bischöfin. Sie sind, was es nicht gibt. Von den kirchlichen Rollenzuschreibungen, nicht aber von der Kirche, haben sich die Frauen der Priesterinnenbewegung zu lösen versucht.

Christine Mayr-Lumetzberger und ihre Mitstreiterinnen verstehen sich ausdrücklich als römisch-katholisch. In dieser Kirche sind sie verwurzelt, hier wollen sie ihrer Berufung gemäss wirken, was über Jahrzehnte nicht möglich gewesen sei. Es sind lange Wege, die zur Entscheidung führten, sich unerlaubterweise weihen zu lassen. Ihre Weihe verstehen die Frauen als ein prophetisches Handeln. Mit ihrem Sein und Wirken legten die Priesterinnen Zeugnis ab für eine Kirche aus dem Geist der Freiheit und Gleichheit.
Christine Mayr-Lumetzberger ist überzeugt: Gott lasse sich nicht vorschreiben, nur Männer zum priesterlichen Dienst zu berufen. Ausserdem sei es Aufgabe der Kirchenleitungen, die Herabwürdigung der Frauen endlich zu stoppen.

Angela Büchel Sladkovic

Hinweis: www.priesterinnen.net


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14. September 2016
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