Hochsicherheitszone Davos. Man will unter sich sein! Polizisten vor dem Haupteingang des Kongressgebäudes in Davos. Foto: Reuters/Denis Balibouse

Das Wef in Davos - Skepsis und Ablehnung aus kirchlichen Kreisen

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) findet vom 23. bis 26. Januar in Davos statt. Im Bündner Bergdorf treffen sich rund 2500 Teilnehmer vornehmlich aus Wirtschaft und Politik.

In diesem Jahr werden siebzig Staats- und Regierungschefs erwartet, unter anderm der US-Präsident Donald Trump oder die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Das Treffen wurde von den Kirchen stets mit Skepsis betrachtet und bisweilen mit offener Ablehnung bedacht. Es sei ein Treffen der Superreichen für die Superreichen.

 

Papst redet Weltwirtschaftsforum in Davos ins Gewissen

Papst Franziskus hat das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos zu deutlich stärkeren Anstrengungen für mehr Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit aufgefordert. Auch die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK.CH) und die Vereinten Nationen (Uno) setzen sich während dem WEF für Frieden und Wahrung der Menschenrechte ein.

Menschen drohten «zu blossen Zahnrädern im Getriebe einer Maschinerie zu werden, die sie als blosse Konsumgüter behandelt», schrieb der Papst in einem Brief an Klaus Schwab, den Gründer und Präsidenten des WEF. Sobald diese Menschen für die Maschinerie nicht mehr nützlich erschienen, würden sie «skrupellos entsorgt».

Moralische Pflicht
«Es ist eine moralische Pflicht, eine Verantwortung für jedermann, die entsprechenden Bedingungen zu schaffen, damit jede menschliche Person in Würde leben kann», mahnte der Papst. Wenn sie sich der Gleichgültigkeit und «Wegwerfkultur» widersetze, hätte die Unternehmerschaft enorme Macht, wirksam etwas zu verändern.

«Unternehmer können Produktivität erhöhen.»
Sie könne die Produktivität erhöhen, neue Arbeitsplätze schaffen, Arbeitsschutzgesetze beachten, gegen Korruption kämpfen und sich für das Gemeinwohl einsetzen. Der richtige Zeitpunkt «Nur durch den festen Entschluss aller wirtschaftlichen Akteure können wir hoffen, dem Schicksal unserer Welt eine andere Wendung geben zu können», so Franziskus. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, der Verantwortung zur Entwicklung der Menschheit gerecht zu werden.

Menschenrechte
Auch die Vereinten Nationen verlangen von den Teilnehmern des WEF in Davos mehr Aufmerksamkeit für Menschenrechte. Diese spielten eine entscheidende Bedeutung, um eine gerechte Zukunft in einer globalen Welt schaffen zu können, heisst es in einer in Genf veröffentlichten Mitteilung.

Gebetswache in Davos
Schweizer Kirchen setzen sich am WEF ebenso für mehr Frieden und gegen Korruption ein. Seit 1999 wird laut der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK.CH) während dem WEF eine tägliche ökumenische Gebetswache durchgeführt. Zwischen 18 und 21 Uhr kommen Menschen in der Kirche St. Johann in Davos zusammen und «beten für die Opfer des Neoliberalismus und für die Entscheidungsträgerinnen und -träger in Politik, Wirtschaft und Kirchen», wie die AGCK.CH schreibt (23. Januar).
Durchgeführt werde das Projekt «Schweigen und Beten» von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Davos (AKiD). Die AGCK.CH habe zudem am 22. Januar das Oecumenica-Label diesem Projekt verliehen, hiess es in der Mitteilung der AGCK.CH weiter.

«Zerrissene Welt»
Seit Dienstag beraten in Davos mehr als 3000 Wirtschaftsführer, Politiker, Wissenschaftler und Vertreter der Zivilgesellschaft über Themen wie Globalisierung, Handel, Umweltschutz oder Terrorismus. Das Treffen steht unter dem Motto «Schaffen einer gemeinsamen Zukunft in einer zerrissenen Welt».

kath.ch

 

Links:
Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen
(AGCK) der Schweiz ist in diesem Jahr vor Ort und hat Aktionen gegen das WEF der Kirchen mit einem Gütesigel ausgezeichnet.

Die Nichtregierungsorganisation «Public Eye», die sich als beständige Kritikerin des WEF sieht, findet auch in Kirchenkreisen stets grosse Zustimmung. Die Organisation hiess früher «Erklärung von Bern», ihre Gründung ist eng mit den reformierten Kirchen verbunden.

24. Januar 2018
erstellt von «pfarrblatt»
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