Der 82-jährige Werner Burkhart will die Menschen mit seinen Bildern innerlich berühren. Foto: Vera Rüttimann

«Der Berg hat mich gewählt»

«Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen», so lautet der Titel des Buches des Spiezer Malers Werner Burkhart. Entstanden ist ein Buch mit Texten von Pater Franz Toni Schallberger, das geistige, seelische und spirituelle Impulse liefert.

Von Vera Rüttimann

Vor 30 Jahren nahm sich Werner Burkhart eine Auszeit. Er ging in ein Atelier eines Freundes ins Maggiatal und malte. Umgeben von der eindrücklichen Tessiner Berg- und Flusslandschaft. Er hatte nie vor, seine Arbeiten mal in einem Buch zu publizieren. Bis ihn vor zwei Jahren ein Freund ermuntert hat, dieses Projekt doch zu realisieren. Jetzt liegt das schön gestaltete Buch vor ihm auf dem Tisch in seinem Haus in Spiez.

Dem Malertalent Raum geben

Werner Burkhart arbeitete schon über 25 Jahre als Sekundarlehrer, als er beschloss, sich beruflich eine Auszeit zu nehmen. «Ich wollte meinem Talent als Maler endlich mehr Raum geben», sagt der 82-Jährige. Im Atelier am Fuss des Monte Castello suchte er nach einem Thema zum Malen. Und fand es erst nicht. Bis er sein Motiv fand, oder eher: Der Monte Castello fand ihn. «Ich begann mich mit diesem Berg malerisch intensiv auseinanderzusetzen.» Nicht nur für Burkhart wurde er zu einem Kraftort. Bereits für die Kelten war dieser Berg ein Heiligtum. Die Römer errichteten später darauf ein Kastell.

Meditation vor dem Berg

In diesem Jahr meditierte Werner Burkhart viel. «Ich brauchte das, um mich innerlich wieder neu auszurichten», sagt er. In seinem Buch ist eine Fotografie abgebildet, die einen Bach, mit Blick auf einen idyllischen Wald, zeigt. Dahinter ahnungsvoll sein Berg. An diesem Ort meditierte der Maler oft auf einem Stein sitzend.

Werner Burkhart hat schon vor seiner Auszeit im Tessin meditiert. Vor allem sagten ihm die Meditationskurse bei Franz Toni Schallberger zu. «Leitplanken zu haben im Leben, das ist wichtig», sagt Burkhart, der im Kloster Einsiedeln seine Matura machte. Es sind denn auch die Texte von Schallberger, dem Mitglied des Redemptoristen-Ordens, der seine Gedanken zum Psalm 121 «Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen ...» beigesteuert hat. Burkharts Bilder treten dabei in einen spannenden Dialog mit den Texten.

Licht, Schatten, Zwischentöne

Schon das Titelbild drückt ein Thema aus, das sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch zieht. Das Dunkle, das vom Hellen durchdrungen wird. Der Berg wird bei ihm zum heiligen Berg. Das ist auch farblich mit seiner Wischtechnik sichtbar. «Mir war es wichtig, den Berg mit den Farben transparent darzustellen», erklärt der Künstler.

Fallen, aufstehen, weitergehen. Darum geht es in diesem Buch. Auf dem Bild unter dem Titel «Er lässt deinen Fuss nicht wanken» steht Franz Schallbergers Satz: «Der Weg will nicht gedacht, sondern gegangen werden.» Ein Satz, der Burkhart gefällt. Seinen Lebensweg habe er manchmal auch tanzend begangen. Ein Bild aus seinem Buch, das eine Wand in seinem Haus ziert, zeigt einen leichtfüssigen Tänzer.

«Nacht am Monte Castello» ist ein Bild betitelt. Es ist düster. Oft habe er bis tief in die Nacht gemalt. Es sei nicht nur mystisch schön gewesen, sondern auch beängstigend und bedrohlich. Er habe sich oft einsam gefühlt. Und doch schimmert oben auf dem Berg etwas Helles. Deshalb steht neben dem Bild der Satz: «Verwandlung geschieht über Nacht. Manchmal über die lange innere Nacht.“ Anderenorts heisst es dazu schlicht: „Stirb und werde.»

Dass nichts bleibt, wie es ist, zeigt der vom Wasser wild umspülte Berg unter dem Titel «Panta rhei – alles fliesst». Für Werner Burkhart ein Zustand, den er nicht immer schätzte. «Am liebsten wollte ich mich in diesem Atelier im Maggiatal länger einrichten.»

Von Steinschichten geformt

Auf der Zeichnung zum Titel «Ansturm» geht es um Krieg, Wut und Kampf. Man sieht eine wilde, verzerrte Gestalt. «Sie wirkt wie ein Ritter mit einem Spiess in der Brust, der gegen den Berg angaloppiert», beschreibt der Maler sein Werk. Hier gehe es ihm darum aufzuzeigen, wie es sich anfühlt, innere Spannungen auszuhalten im Leben. Und die man manchmal am liebsten wegsprengen möchte.

Das Bild «Durchlichtet» zeigt eine dunkle Bergwand mit geometrischen Linien. «Im Berg habe ich ein Kreuz erkannt, von Steinschichten geformt», schildert Burkhart. Auch hier geht es um den Wechsel vom Dunkeln ins Licht. Werner Schallberger textet dazu: «Die Wüste ist der Ort, wo sich Leben zeigt.»

Für Werner Burkhart war dieses Jahr am Fuss des Monte Castello eine «existentielle Erfahrung». Eine, die er in seinem Leben so nie wieder gemacht habe. Der Maler erhält viel Resonanz auf sein Buch. Manche schreiben ihm, dass sie sich innerlich von seinen Bildern angesprochen fühlen. Werner Burkhart sagt: «Wenn mir das mit meinen Bildern gelungen ist, dann bin ich sehr zufrieden.»

 

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Zur Person

Werner Burkhart (*1938 in Zürich), aufgewachsen in Steinerberg SZ, Luzern und Spiez. Gymnasium in Einsiedeln. 40 Jahre Sekundar- und Werklehrer in Bätterkinden BE. Vielfältige kulturelle Interessen, vor allem in der bildenden Kunst und im Schultheater. Weiterbildung und Ausstellungen in Malerei und Fotografie, u.a. an den Jahresausstellungen in Solothurn, Olten, Bern und Thun. Der frühe Tod seiner Mutter evozierte in ihm immer wieder die Frage, was dieses Leben soll und welchen Weg es für ihn bestimmte. Stille und Innerlichkeit wurden und sind Eckpunkte im Leben von Werner Burkhart. So zog es ihn immer wieder zur Meditation, u.a. mit Pater Franz-Toni Schallberger oder auch mal längere Zeit in Klöster in Israel. Dazu gehörten auch die Begegnungen mit Bruder David Steindl-Rast bis in den Sinai oder an die Seminare mit ihm über R.M. Rilke.


Werner Burkhart und Franz-Toni Schallberger, Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Bilder und Texte, Rex Verlag 2021, ISBN 978-3-7252-1066-4

4. Juni 2021
erstellt von «pfarrblatt»
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