Papst Franziskus bei der Ankunft in Naypyitaw, Myanmar, mit der «ausführenden Staatsberaterin», der faktischen Regierungschefin Aung San Suu Kyi. Foto: REUTERS/Max Rossi

Der Papst in diplomatisch heikler Mission

Papst Franziskus reisetvom 26. November bis 2. Dezember nach Myanmar und Bangladesch. Laut Vatikan sollte mit dem Besuch der Region vor allem die jungen diplomatischen Beziehungen insgesamt gestärkt werden. Ausserdem ging es um die Unterstützung und Solidarität mit der christlichen Minderheit. In Myanmar tobt seit langem ein Konflikt zwischen der buddhistischen Mehrheit und der muslimischen Minderheit der Rohingya. Viel zu Reden gab, ob der Papst hier genug Engagement gezeigt hat.

Im Vorfeld äusserten sich geistige Würdenträger kritisch gegenüber den Äusserungen des Papstes zur Situation der verfolgten muslimischen Minderheit der Rohingya in Burma. Burmesische Geistliche hatten dem Papst geraten, das Wort Rohingya in Burma selbst nicht zu benutzen. Die kulturellen und sozialen Konflikte rund um die Minderheit schwelen schon lange, und auf Druck der Machthaber in Militär und Politik und um die Konflikte nicht anzuheizen verzichtete der Papst auch direkte Ansprache der Rohingya. Khin Maung Myint, Vizepräsident der «Nationalen Demokratischen Partei für Entwicklung», die von der Wahl 2015 wegen ihres Eintretens für Muslime ausgeschlossen war, kritisierte das Vorgehen: «Es doch eine Schande, dass in einer Demokratie selbst dem Papst die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird»

Der Papst benützte dementsprechend das Wort Rohingya auch nicht während seiner Papstmesse in Rangun. Mehr als 100'000 Menschen waren teils tagelang angereist, um Franziskus zu begegnen und sich segnen zu lassen. Auch zahlreiche Muslime und Buddhisten waren an der Messe anwesend. Die Papstmesse sei ein Zeichen des Friedens, meinten zahlreiche Gläubige - und lobten die Haltung des Papstes, nach Wegen der Versöhnung zu suchen anstatt nach Rache zu streben. Es bleibt zu hoffen, dass auch die Verantwortlichen in Militär und Regierung diese Wege finden.

Im Zuge seiner Reise traf der Papst auch den Obersten Rat der Buddhisten in Burma - und zog Vergleiche zwischen Christentum und Buddhismus. Wenn die Religionen zusammenhalten wollten, wie sie es sich vorgenommen haben, «müssen wir jede Form von Unverständnis, Intoleranz, Vorurteil und Hass überwinden», mahnte Franziskus im Kaba Aye Centre – einer der bekanntesten buddhistischen Tempelanlagen Südostasiens. Er rief Katholiken und Buddhisten zum gemeinsamen Einsatz für Frieden, die Achtung der Menschenwürde sowie Gerechtigkeit gegenüber Männern wie Frauen auf. Denn: «Nicht nur in Myanmar, sondern auf der ganzen Welt brauchen die Menschen dieses gemeinsame Zeugnis der religiösen Führer.»

Unproblematischer gestaltete sich die anschliessende Reise nach Bangladesch. 90 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum Islam. Es folgen mit etwa 9 Prozent der Hinduismus und mit 1 Prozent der Buddhismus. Die Christen können also prozentual kaum erfasst werden. Ausserdem ist der Islam Staatsreligion. Dem Papst ging es nun tatsächlich darum, die winzige christliche Gemeinde zu stärken und zu ermutigen. 

sch/kr/kath.ch

Berichte, Hintergründe und Links zur Papstreise:

Übersichtsseite des Vatikan
Apostolische Reise von Papst Franziskus nach Myanmar und Bangladesch, Vatikan November/Dezember 2017

Fazit:
Eine diplomatisch heikle Reise, kath.ch vom 3.12.2017
Radio Vatikan mit einer Presseschau zu den Papstreisen nach Südostasien, 30.11.2017
Der Konflikt in Myanmar scheint überaus komplex zu sein. Ein spannender Kommentar auf der Deutschen Welle

Papst in Bangladesch
Besuch bei der kleinen Herde am Rand, kath.ch vom 2.12.2017

Papst in Myanmar
Buddhisten, Christen und Muslime bei Papstmesse in Myanmar – Lob und Kritik, kath.ch vom 29.11.2017
Papst und Buddhistenführer fordern gemeinsames Engagement für Frieden. Papst in Myanmar, kath.ch vom 30.11.2017
Hinter den Kulissen. Mit dem Papst in Myanmar, kath.ch vom 3.12.2007

13. Dezember 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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