Offizielles Logo der Papstreise nach Ägypten.

Pierbattista Pizzaballa. © Andrea Krogmann / kath.ch

Der Papstbesuch wird die Probleme der Christen in Ägypten nicht lösen.

Update: Papst Messe in Ägypten: Papst Franziskus feierte am vergangenen Samstag ausserhalb von Kairo in einem Armee-Stadion eine Messe mit ungefähr 25'000 Menschen. Der Gottesdienst musste von tausenden von Soldaten und Polizisten geschützt werden. Vor dem Hintergrund dutzender Anschläge islamischer Extremisten auf Christen und christliche Einrichtungen, sagte der Papst in der Abschlusspredigt: „In Gottes Namen könne es keine Gewalt geben. Der einzige Extremismus, den Gott den Gläubigen zugestehe, ist die Nächstenliebe.“
Andreas Krummenacher

Lesen Sie hier den Hintergrundbericht von kath.ch


Erzbischof Pierbattista Pizzaballa (52) ist seit Juni 2016 Administrator des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem. Zuvor war der Ordensmann aus Bergamo zwölf Jahre bei den Franziskanern in Jerusalem, die im Auftrag des Papstes für die Betreuung der christlichen Stätten im Heiligen Land zuständig sind. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur gibt er seine Einschätzung zur bevorstehenden Papstreise nach Kairo.

Johannes Schidelko/kath.ch

Papst Franziskus besucht für zwei Tage Ägypten. Was bedeutet diese Reise?
Pierbattista Pizzaballa: Diese Reise ist sehr wichtig - aus zwei Gründen, die freilich miteinander zusammenhängen. Der Papst kommt zu einer Begegnung in die Al-Azhar-Universität, die ein wichtiges Zentrum des sunnitischen Islam ist. Das ist bedeutsam angesichts des Entstehens des Kalifats; angesichts der Vorgänge in Syrien, im Irak und in anderen Teilen der islamischen Welt samt ihren Auswirkungen auf die Christen; aber auch angesichts einer Zunahme des islamischen Fundamentalismus in Europa. Die Begegnung mit einem kulturellen, religiösen, sunnitischen Zentrum ist von hoher Bedeutung, um einen Weg aufzuzeigen. Der Besuch wird die Probleme sicher nicht lösen - aber er kann ein Gespräch mit der islamischen Welt auf breiterer Ebene einleiten.

Und der zweite Grund?
Der andere Aspekt, der zuletzt immer mehr hervortrat, ist die Solidarität mit den Christen, die der Papst mit seiner Reise bekunden will. Die Christen gerade in Ägypten zahlen einen sehr hohen Preis für die gewachsenen Spannungen in der islamischen Welt.

Was erwarten Sie von dem Besuch?
Keine radikalen Veränderungen. Die Situation wird noch weiter anhalten. Aber meiner Ansicht nach sind Gesten wichtig; dass er kommt, dass er bei den Menschen ist. Ich hoffe, dass er starke Reden hält, die Richtungen aufzeigen. Natürlich wissen wir, dass sich der Islam nicht in den Katholizismus verlieben wird und umgekehrt - oder dass man aufhörte, Bomben in Kirchen zu deponieren. Dennoch ist es sehr wichtig, dass Franziskus die Reise unternimmt und zu den Menschen spricht.

Ist die Lage für die Christen erst in den vergangenen Jahren so dramatisch geworden?
Wer Ägypten kennt, weiss, dass die Probleme nicht erst gestern entstanden sind. Es ist eine fortschreitende Verschlechterung. Die jüngsten Attentate haben für grosse Aufmerksamkeit gesorgt. Aber was die Situation gerade in den Dörfern betrifft, gab es schon seit langem Probleme. Sie haben sich in den vergangenen zwei, drei Jahren verschärft, aber sie haben nicht bei Null begonnen.

Lässt sich die Lage der Christen in Ägypten mit der im Heiligen Land irgendwie vergleichen - oder ist sie total verschieden?
Das sind total unterschiedliche Situationen mit anderen Dynamiken. Natürlich gibt es mitunter Missverständnisse mit dem Islam. Aber die christliche Welt hier im Heiligen Land ist nicht das Hauptziel von islamischem Fundamentalismus.

Hier finden Sie die offiziellen Informationen des Vatikans zur Papstreise nach Ägypten.

Pierbattista Pizzaballa (52) ist ein italienischer Franziskaner und Apostolischer Administrator des Lateinischen Patriarchates von Jerusalem. Das Patriarchat für die römisch-katholischen Christen des Heiligen Landes erstreckt sich über das Staatsgebiet von Israel, Jordanien, Zypern und die Palästinensischen Gebiete. Er hat sein neues Amt im Juli 2016 angetreten. Zuvor war er zwölf Jahre Franziskaner-Kustos im Heiligen Land und damit oberster Hüter der christlichen Stätten. Pizzaballa, am 21. April 1965 in Cologno al Serio in der Diözese Bergamo geboren, studierte Theologie in Rom und Jerusalem und wurde 1990 zum Priester geweiht.

kna

28. April 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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