Dinner for one. Foto: kallejipp / photocase.de

Die Einsamkeit des Priesters - Wie zeitgemäss ist der Zölibat?

Die Bischöfe des Amazonasgebietes diskutieren im Oktober in Rom vor allem die Lage der indigenen Bevölkerung. Es wird aber auch um den Zölibat gehen. Es gibt Diözesen mit 20 Millionen Menschen, dutzenden Pfarreien und 15 Priestern. Da ist kein Gemeindeleben mehr möglich. Darum will man verheiratete Theologen zum Priester weihen dürfen. Die sogenannte Amazonas-Synode dürfte also einiges an Spannung erzeugen.

Ein keusches Leben ohne Sexualität und Ehe - der sogenannte Zölibat ist für einen römisch-katholischen Priester Pflicht. Der Zölibat gehört nicht zum Wesen des Priestertums, das bestätigt das Zweite Vatikanische Konzil. Trotzdem ist damit die Vorstellung von einer besonderen Nähe zu Gott verbunden, von einer Verfügbarkeit für die Gemeinde ohne Zeitdruck, eine Lebensform um des Reiches Gottes willen. Eine prophetische Mission also. Später wurde der Priester durch seine «kultische Reinheit zu einem engelsgleichen Wesen», stark in Abgrenzung zu den evangelischen Kollegen.

Das alles blendet die Einsamkeit aus, das Leid auch, das durch die Unterdrückung der Sexualität geschaffen wird. Heimliche Affären, Kinder, die ihren Vater nicht kennen dürfen.

Während einige Bischöfe den Zölibat als notwendig verteidigen, hoffen seine Kritiker, dass mit ihm gleich mehrere Probleme der Kirche verschwinden - vom Priestermangel bis zum Missbrauch durch Geistliche. Gleichzeitig kommt auch Widerstand, gerade aus Brasilien. Jahrzehntelang haben nun bewährte Frauen Gemeinden geleitet. Durch die Aussicht, verheiratete Theologen könnten nun Priester werden, sehen sie sich noch stärker marginalisiert.

Wie zeitgemäss ist die Keuschheitspflicht? Lässt sich der Zölibat einfach so abschaffen oder spaltet das Thema die Kirche? Und was bedeutet er denen, die ihn leben und an ihm festhalten?

Diskussion in SWR2 - Forum, mit Stefan Hirblinger, ehemaliger katholischer Priester im Bistum Regensburg; Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff, Moraltheologe an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg; Prof. Dr. Hubert Wolf, Kirchenhistoriker an der Westfälischen Wilhelms Universität Münster.


Buch-Tipp:
Hubert Wolf, Zölibat. 16 Thesen, Verlag C.H.Beck, 190 S., 2019, Fr. 24.90

Andreas Krummenacher

2. August 2019
erstellt von «pfarrblatt» online
  • Pfarrblatt / Angelus
  • Bildung
  • Spirituelles
  • Brennpunkte