Will neugierig und beweglich bleiben. Esther Richard, die neue Präsidentin des bernischen Kirchgemeindeverbandes. Foto: Guido Lauper, aufgenommen anlässlich ihrer Verabschiedung aus dem Spiezer Kirchgemeinderat 2020

Kirchgemeindeverband Bern: zum ersten Mal eine Präsidentin

Die Spiezerin Esther Richard wurde am Samstag einstimmig zur ersten Präsidentin des Kirchgemeindeverbandes des Kantons Bern (KGV) gewählt. Hansruedi Spichiger trat nach sechs Jahren als Präsident nicht mehr zur Wahl an. Die Mitgliederversammlung wurde digital durchgeführt, Gäste konnten sich via Live-Stream zuschalten.

Von Andreas Krummenacher

Mit dem Rücktritt von Hansruedi Spichiger geht eine Ära zu Ende. Seit acht Jahren war er im Vorstand, seit sechs Jahren als dessen Präsident. Der pensionierte kantonale Beauftragte für kirchliche Angelegenheiten ist im Kanton Bern eine einflussreiche Persönlichkeit. Er kennt die Personen, die Vorgänge und vor allem die politischen und kirchlichen Mechanismen. Den Verband hat er in den letzten Jahren, das bescheinigen verschiedene Beobachter, umsichtig und geschickt geführt.

Hansruedi Spichiger geht

In seine Amtszeit fallen die ersten Schritte in der Loslösung der Kirchen vom Kanton. Hier hat der Verband Entscheidendes geleistet, in den Vernehmlassungen und in den Stellungnahmen zu den neuen Kirchenverfassungen.

Die Umwälzungen in der Finanzlegung der Kirchgemeinden, Stichwort HRM2, als wichtiger Ansprechpartner, aber auch in der Entwicklung von Weiterbildung der Angestellten in den Kirchgemeinden – in diesen Themen hat sich der Vorstand des KGV und namentlich Hansruedi Spichiger Meriten erworben.

Vorstandsmitglied Markus Rusch attestierte Hansruedi Spichiger ein tiefes Verständnis für «unser Gemeinwesen». Er habe einen unbeugsamen Willen, einen immensen Fundus an Fachkenntnissen und Einsatzbereitschaft. Hansruedi Spichiger sei verbunden mit der Heimat, den Kirchen, dem Kanton Bern, der Landwirtschaft, dem Brauchtum.

Er sei gleichzeitig offen, gehe unvoreingenommen auf alle Menschen zu, keine Aufgabe sei ihm zu gross gewesen. Hansruedi Spichiger sei spirituell und tiefgläubig. Die Ökumene liege ihm sehr am Herzen. Kurzum: alles ideale Voraussetzungen für das Präsidiums des KGV.

Esther Richard kommt

Nachfolgerin von Hansruedi Spichiger ist Esther Richard. Die ehemalige Kirchgemeinderatspräsidentin der ev.-ref. Kirchgemeinde Spiez wurde einstimmig gewählt. Esther Richard gehörte bereits dem Vorstand des KGV an.

Sie hat hier das Ressort Weiterbildung aufgebaut, ist Referentin im Vikariatskurs für die Zusammenarbeit mit den Kirchgemeinderäten. Esther Richard ist ausgebildete Pflegefachfrau, verheiratet und hat zwei Töchter. Sie ist die erste Präsidentin in der Geschichte des KGV. Sie nehme, was komme, man müsse dabei stets «neugierig und beweglich bleiben».

Neu im Vorstand

Gottfried Aebi trat ebenfalls nicht mehr zur Wahl für die Vorstandsarbeit an. Mit dem juristische Fachmann verliert der Verband einen ausgewiesenen Rechtsexperten, gerade für die kantonalen Vernehmlassungen und für juristische Fragen der Kirchgemeinden.

Für ihn wurde Pascal Flotron (65) gewählt, er war Staatsanwalt in der Jugendanwaltschaft und Präsident der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde im Berner Jura und stammt aus Malleray.

Zuletzt wurde der BelperChristian Meier in den Vorstand des KGV gewäht, er ist Finanzspezialist in der Thuner Stadtbehörde.

Hintergründe zum Kirchgemeindeverband

Der Kirchgemeindeverband des Kantons Bern versteht sich als Interessenvertreter der ev.-ref., der röm.-kath. und der christkath. Kirchgemeinden gegenüber den kantonalen sowie den kirchlichen Behörden. 2020 hatte der Verband 230 zahlende Mitglieder.

Der KGV bietet in erster Linie handfeste Unterstützung für die Kirchgemeinden, beispielsweise mit Weiterbildungen oder einer Informationsplattform zum Rechnungswesen. Daneben ist der KGV eine Lobbyorganisation für die Sache der Kirchen.

Rechnung und Budget

Beim Kirchgemeindeverband sind diese Geschäfte jeweils unbestritten. Es geht um ein Budget von gut 34'000 Franken, es geht um einen Mitgliederbeitrag von 150 Franken, es geht um eine Jahresrechnung, die mit 13'000 Franken Überschuss abschliesst, es geht um den Jahresbericht des Vorstands und dessen Entlastung. Wenig überraschend wurde alles einstimmig angenommen, der Vorstand kann ein neues Vereinsjahr in Angriff nehmen.

Emotionen

Der Vorstand des Verbandes versammelte sich im Calvinhaus in Biel. Hier vor Ort wurde denn auch Hansruedi Spichiger sehr emotional verabschiedet. Die Worte seines Vorstandskollegen Markus Rusch liessen den scheidenden Präsidenten tief bewegt zurück. Er konnte, von Emotionen überwältigt, im Moment kaum auf die Abschiedsworte reagieren. Er bedankte sich herzlich für alles. Die Zusammenarbeit und die Freundschaft würden ihm viel bedeuten. Zuletzt spielte ein Alphornduo für Hansruedi Spichiger heimatliche Klänge.

 

(Anmerkung: Die Dokumentation der Abschiedsrede von Hansruedi Spichiger folgt)

 

 

 

8. Mai 2021
erstellt von «pfarrblatt» Bern
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