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Die Gemeinschaft und das Salz der interchristlichen Beziehung

In Thun wird der religiöse Dialog offensiv gepflegt. An einem interchristlichen Treffen nahmen zehn Vertreter verschiedener Kirchen und Freikirchen teil, mit erstaunlichen Erkenntnissen.

Von Hans H. Weber

Am 17. Januar trafen sich zehn Vertreter verschiedener christlicher Kirchen und Freikirchen zum ersten interchristlichen Dialog im Neuen Jahr. Wir haben die Thematik des Dialogs auf die persönliche Erfahrungen mit dem Glauben an Jesus Christus festgelegt.

Anfänglich zögernd entwickelte sich der Dialog immer mehr zu emotionalen Bekenntnisse jedes einzelnen. Das gegenseitige Vertrauen, das durch vier Treffen im letzten Jahr aufgebaut wurde, war endlich Tatsache geworden. In diesem Sinne darf das Projekt «FORUM-UTOPIA» eine tiefgreifende Änderung vollziehen: «Der interchristliche Dialog ist keine Utopie!»

Mitchrist in den Kirchen:

Natürlich werde ich die persönlichen Erklärungen, auf Grund des gegenseitigen Vertrauens, nicht dokumentieren. Viel wichtiger sind die nach eineinhalb Stunden gewonnenen Erfahrungen. Papst Franziskus sagte während einer Generalaudienz: «Wir alle sind Kirche!» Dazu erklärte ich, dass jeder von uns und ich Kirche sind. Verbunden mit einer nicht delegierbaren Verantwortung des Einzelnen in seiner Kirche. Der Dialog ergab ebenfalls ein wertvolles Bekenntnis der Gemeinsamkeit im Christsein. Wir sind uns um mehr als achtzig Prozent gleich im kirchlichen Verständnis.

Es verbleibt ein wertvoller Rest Unterschiedlichkeit. Die Kirche von unten, benötigt dringend die unterschiedlichen innerkirchlichen Auffassungen, sie sind das Salz des Dialogs. Jeder Mitchrist ist an seiner Stelle, seiner Gemeinschaft verpflichtet und in ihr geborgen. Die Frucht eines aufrichtigen DIALOGS auf gleicher Augenhöhe lebt aus der gegenseitigen Differenz. Die Unterschiede sind das Salz, das die grosse gemeinsame Plattform würzt.

Akzeptanz oder Toleranz:

Karl Barth, der grosse reformierte Theologe sagte: «Den eignen Glauben lieben und den der andern achten»! Unter diesem Gesichtspunkt lebt eine gewisse Auseinandersetzung zwischen Akzeptieren oder Tolerieren. Die Toleranz zwingt mich zu einer Positionierung. Wenn ich einen von mir differenten christlichen Glaubenssatz achte, dann nicht über die Toleranz, sondern über die Akzeptanz. Der Tolerierende muss immer auf Teile der eigenen Meinung durch die Anwendung der Toleranz verzichten. Damit stellt er sich zwangsläufig über den zu Tolerierenden. Diese Situation erzeugt ein ungleichgewichtiges Verhältnis im Zusammenleben mit dem Nächsten.

Beruht jedoch das Zusammenleben auf der ethischen Basis der Akzeptanz, entsteht kein Ungleichgewicht.

Unser interchristliche Dialog in Thun ist einmalig. Hier treffen sich verantwortliche Personen aus dem Bereich ihrer christlichen Gemeinschaften. Es ist weit mehr als praktizierte Ökumene. Etliche meiner Mitchristen der Freikirchen fühlen sich von der Ökumene ausgeschlossen. Wir sind Christen in Dialog, unter der vollen Glaubensfreiheit. Wir sind Christen an der Basis aller unterschiedlichen Glaubenssätzen, die für das Herz und die Zukunft des Christentums einstehen.

Der religiöse Frieden:

Gott hat uns seinen Frieden nahegebracht, ohne Zwang diesen zu leben und zu stärken. Wenn wir seine Kraft des Friedens anwenden, bringt dies den heilbringenden Segen für alle. Wenn wir Menschen das Gebot des Friedens, wiederum in aller Freiheit, missachten, dann werden wir unter dem Leid und der Hoffnungs- und Verantwortungslosigkeit erfrieren.

EPILOG:

Fernab von den offiziellen Anlässen verschiedenster Fachgruppen für die christliche Einheit, sind Christen verschiedener Kirchen und Bekenntnisse zusammengekommen. Es sind die Mitchristen, die im Lichte stehen. Ganz unten an der Basis unserer Kirchen, die die im Dunklen gehen, führten einen Dialog und waren uns sicher, dass wir alle als Christen einen wertvollen Beitrag für Friede und gegenseitige Achtsamkeit an der Basis in Gang gebracht haben.

Kleine, bescheidene Anfänge im Dialog von zehn Mitchristen auf gleicher Augenhöhe im Vertrauen und gegenseitiger Achtung, sassen am gleichen Tisch und sind sich bewusst worden, dass Trennende ist eine Herausforderung zum Dialog, das Verbindende ist das Bekenntnis zu den Kirchen von Jesus dem Christus im Namen des Vaters und des Heiligen Geistes.

Dialog, Gemeinsamkeiten...

23. Januar 2019
erstellt von «pfarrblatt» online
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