pfarrblatt:

News-Artikel

Adina Levin Ryffel (1976), mag. rer. pol. und Sexualpädagogin ISP. Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Alters- und Behindertenamt der Gesundheitsund Fürsorgedirektion des Kantons Bern.

Die hohe Kunst der Liebe

Dies ist ein Auszug aus dem Hohelied oder dem Lied der Lieder (hebräisch: Schir Haschirim). Das Hohelied besingt in einer bildhaften Sprache die Liebe und Erotik zwischen einem Mann und einer Frau. Ich habe mich bereits vor einigen Jahren mit dem Hohelied auseinandergesetzt. Damals machte ich im Rahmen meiner Ausbildung zur Sexualpädagogin ein Praktikum in einem Altersund Pflegeheim in Basel. Zusammen mit einer Aktivierungstherapeutin gestaltete ich einen Nachmittag zu Liebe und Sexualität. 
Zur Einstimmung ins Thema las ich den anwesenden Frauen und Männern einige Textpassagen aus dem Hohelied vor. Die poetische und sinnliche Sprache, aber auch die offenkundige Erotik des Hohelieds beeindrucken mich. Ich glaube nicht, dass jemand, der diesen Text nicht kennt, ihn als biblisch identifizieren würde. Zu lust- und menschenfeindlich lautet die gängige Meinung über die Bibel. Ich befasse mich nur sporadisch mit biblischen Texten, staune jedoch über deren Vielfalt und die zahlreichen Möglichkeiten, aus den Interpretationen etwas für das eigene Leben herauszunehmen. Ich bin Mutter von zwei kleinen Kindern, einem Jungen und einem Mädchen. Von Geburt an besitzen sie die Fähigkeit, Liebe und Sexualität zu empfinden und zu schenken. Richtet sich beides zu Beginn noch auf sich selbst oder die Eltern, wenden sich die Kinder mit der Zeit Menschen ausserhalb der Familie zu. Als Mutter ist es meine Aufgabe, meine Kinder auf diesem Weg zu begleiten, sie später aber auch gehen zu lassen. Liebe und Sexualität verändern sich im Lauf eines Lebens. Ihnen achtsam zu begegnen, sie zu bewahren, an diese hohe Kunst erinnert mich das Hohelied  

22. Dezember 2011