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Die Säge schärfen

Vermutlich kennen die meisten von Ihnen die folgende Geschichte: Ein Mann geht im Wald spazieren. Nach einer Weile sieht er einen Holzfäller, der intensiv und sehr angestrengt einen Baumstamm zersägt. Er stöhnt und schwitzt und hat viel Mühe mit seiner Arbeit.

Der Spaziergänger tritt etwas näher und erkennt schnell die Ursache und sagt zum Holzfäller: «Guten Tag. Ich sehe, dass Sie sich Ihre Arbeit unnötig schwermachen. Ihre Säge ist stumpf – warum schärfen Sie sie nicht?»
Der Holzfäller schaut nicht einmal hoch, sondern zischt nur durch die Zähne: «Ich habe keine Zeit, die Säge zu schärfen. Ich muss sägen!»

Dazu passt auch sehr gut das englische Wortspiel: A fool with a tool is still a fool (Ein Narr mit einem Werkzeug ist immer noch ein Narr).

Ich möchte kein Narr sein und deshalb in den Sommerferien die Zeit nutzen, um die Säge zu schärfen. Die Säge schärfen, das heisst für mich, neue Kraft schöpfen, Zeit in der Natur verbringen, in aller Ruhe ein Buch lesen, den Garten geniessen. Ferien im Sinne von Säge schärfen heisst für mich auch, offen sein für ungeplante Überraschungen und neue Gedanken, aber auch das Überdenken meines Alltags oder das Verändern von Gewohnheiten. Ebenfalls dazu gehört die Vorfreude, nach den Ferien mit geschärfter Säge und neuem Tatendrang wieder loslegen zu können.

Johannes Maier

8. Juli 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 15
  • Pfarrblatt / Angelus