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Theologin Theresia Heimerl kommentiert die «Frauenenzyklika» Johannes Paul II. Foto: Sonntag Kärnten/Georg Haab

«Die Würde der Frau» (1988)

«Die Würde der Frau»  – Theresia Heimerl kommentiert

Die Gefühle sind zwiespältig. Doch der Muttertag wird zelebriert in Medien und Werbung. Und der Eindruck ist wohl nicht falsch, dass in der Schule gebastelt wird wie nie zuvor. «Liebs Mami, emmer besch du för mech da…» Da wird die mütterliche Liebe gepriesen, allgegenwärtig und immerwährend. Aussen vor bleiben die Väter, und unsichtbar auch die Nachbarn, Freundinnen und Grosseltern, die einspringen, wenn die Überforderung mal wieder perfekt ist. Die Muttertagsmutter als heimelige Geborgenheit für alle, souverän und allen Ansprüchen gewachsen?
Es gehe nicht auf, so Theresia Heimerl, welches Modell man auch immer wähle: Mutterschaft plus, minus oder versus Job. Wie jedes Idyll sei auch das des Muttertags eine Verlustanzeige. Es zeige ein Bild der Mutter, die es wohl nie gab und an dem auch die katholische Kirche mitgeschrieben habe.

1988 veröffentlichte Papst Johannes Paul II. die Enzyklika Mulieris dignitatem: «Die Würde der Frau und ihre Berufung – ständiges Thema menschlicher und christlicher Reflexion – haben in den letzten Jahren eine ganz besondere Bedeutung gewonnen».
Bei allem Respekt, meint die Theologin dazu trocken, Frauen waren weder ständiges noch zeitweiliges Thema in kirchlichen Texten. Sie wurden höchstens in Zusammenhang mit diesem oder jenem erwähnt, vorzugsweise im Kontext von Ehe und Familien(kontrolle). 1988 ist somit ein Quantensprung: Das kirchliche Lehramt nimmt die Frauen endlich wahr. Doch das Schreiben kommt in Frauenkreisen überhaupt nicht gut an.

«Mulieris dignitatem ist das beste Beispiel dafür, was passiert, wenn die Frau zur Besonderheit gemacht wird, wenn letztlich die allgemeine Menschenwürde gegen die besondere Würde der Frau steht», ist Heimerl überzeugt. Das Schreiben, in dem Kirchenmänner so löblich von der Frau sprechen und sie vor allem Bösen bewahren wollen, weiss genau, wie eine Frau zu sein hat. Die Enzyklika liest die biblischen Schöpfungsgeschichten als Offenbarung göttlicher Ordnung, in der die Frau ihren eigenen Platz hat, und erteilt jedem Streben nach Gleichberechtigung eine klare Absage.
Auftrag und Wesen der Frau seien Mutterschaft und Fürsorge. Sein zu wollen wie der Mann ist gar nicht fraulich und in der päpstlichen Logik ein Verstoss gegen die Schöpfungsordnung, ein Verrat an der weiblichen Besonderheit. «Wenn eine göttliche Ordnung die Frau als Helferin des Mannes und Mutter gewollt hat, kann frau nicht Macht und Herrschaft wollen», erläutert Theresia Heimerl die vatikanische Logik. Selbstverständlich gingen der Aufbruch und die Emanzipation der Frauen in den 1980er Jahren weiter. Und die Kluft der Frauen zum Lehramt vergrösserte sich.

Angela Büchel Sladkovic

 

Mulieris dignitatem, Enzyklika von Papst Johannes Paul II, 1988

 

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25. Mai 2016
erstellt von «pfarrblatt»
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