Gemeinsam Essen, gemeinsam Plaudern. Flüchtlinge zum Essen einladen. Eine Bereicherung für Gastgeber und Asylsuchende. Foto: iStock

«Eating together – Flüchtlinge zum Essen einladen»

Gemeinsames Essen ist ein Kulturgut. Mit dem neuen Angebot der kirchlichen Kontaktstelle für Flüchtlingsfragen KKF wird die Mahlzeit zur interkulturellen Begegnung: Sie haben die Möglichkeit, Flüchtlinge zum Essen einzuladen.

Woran erinnern Sie sich, wenn Sie sich Ihre letzte Reise vergegenwärtigen? Ich bin überzeugt: Ihre Erinnerungen heften sich an ein Erlebnis, das mit Essen zu tun hat. Vielleicht waren Sie mit der Eisenbahn in einer unwirtlichen Gegend unterwegs, hatten keine Gelegenheit für genügend Proviant zu sorgen und waren darauf angewiesen, dass Ihr Sitznachbar seine Vorräte mit Ihnen teilte. So kamen Sie möglicherweise in ein Gespräch, das zunächst die einheimische Küche streifte und sich zuletzt um Gott und die Welt drehte. Oder Sie hatten sich in den engen Gassen einer mediterranen Altstadt verirrt, waren glücklich nach der stundenlangen Odyssee ein kleines Lokal zu finden, das geöffnet hatte. Und dieses Glück vervielfachte sich, nachdem Sie freundlich gebeten wurden, mit den anwesenden Gästen zu speisen. Unvergesslich die Verbundenheit, die Sie verspürten: Sie waren für Augenblicke heimisch in der Fremde.

Materiell versorgt – sozial ausgegrenzt
Solche Momente des kleinen Glücks sind Flüchtlingen nur selten vergönnt. Wer wegen Bürgerkriegs, politischer oder religiöser Verfolgung in die Schweiz flüchtet, isst hartes Brot. Zwar gibt es hierzulande für Asylsuchende materielle Mindeststandards – dafür sorgt unser Staat. Es muss also niemand befürchten, ohne Dach über dem Kopf oder vollends sich selber überlassen zu leben, wie es etwa in Italien oder Griechenland traurige Realität ist. Die Kehrseite einer staatlich-professionellen Betreuung von Asylsuchenden zeigt sich aber in der Distanz, die zwischen der einheimischen Bevölkerung und den schutzbedürftigen Menschen entsteht. Asylsuchende oder vorläufig aufgenommene Personen leben in eigenen Sphären, isoliert in Kollektivunterkünften oder in meist sehr einfachen Wohnungen, die ihnen zur Verfügung gestellt werden. Der Kontakt mit Schweizerinnen und Schweizern ist minimal – auch wegen des Arbeitsverbotes in der ersten Zeit des Asylverfahrens und der Aussichtslosigkeit, nach Ablauf des Arbeitsverbotes überhaupt eine Erwerbstätigkeit zu finden. Im öffentlichen Raum schlägt diesen Menschen oft Ablehnung entgegen – sei es offen feindselig oder gleichgültig unbeteiligt.

Essen: ein Moment der Begegnung
Die kirchliche Kontaktstelle für Flüchtlingsfragen KKF möchte Begegnungen zwischen Flüchtlingen und Einheimischen ermöglichen. Dazu sucht sie Gastgeberinnen und Gastgeber, die bereit sind, eine oder mehrere Personen zum Essen einzuladen. Ob das gemeinsame Mahl eine einmalige Begegnung bleibt oder den Beginn eines dauerhaften Kontaktes darstellt, bleibt offen. Als Gastgeberin oder als Gastgeber können Sie bestimmen, wie viele Gäste Sie bewirten möchten und wann das Essen stattfinden soll. Auch Ihre Wünsche bezüglich der Sprachkenntnisse, des Alters oder des Geschlechts Ihrer Gäste werden – wenn möglich – berücksichtigt. Die Vermittlungen der KKF finden dreimal jährlich statt. Die nächste Anmeldefrist läuft bis zum 30. April 2015. Die bisherigen Erfahrungen in der Pilotphase zeugen von einer grossen Bereitschaft, das Tischtuch mit Flüchtlingen zu teilen: Seit Dezember 2014 konnten 140 Flüchtlinge bei 42 Schweizer Familien, Paaren, Wohngemeinschaften oder Einzelpersonen vermittelt werden. Sie können dafür sorgen, dass noch mehr Flüchtlinge sich so fühlen, wie Sie es möglicherweise in der Sonne des Südens taten: verbunden mit den Menschen und der Gegenwart – und damit für Augenblicke zu Hause!

Jörg Eigenmann, Sozialarbeiter FH

Eating together – Gastgeberinnen und Gastgeber für Flüchtlinge
Die Kirchliche Kontaktstelle für Flüchtlingsfragen KKF sucht Gastgeberinnen und Gastgeber, die Flüchtlinge einmal bei sich zu Hause zum Essen einladen und so ihren Alltag teilen oder eine festliche Stimmung aufkommen lassen. Nächste Anmeldefrist: 30. April. Die KKF vermittelt Ihnen den Kontakt zu Flüchtlingen. Alles Weitere organisieren Sie zusammen mit Ihren Gästen.

Zum Anmeldeformular
Flüchtlinge zum Essen einladen:  invitation(at)kkf-oca.ch / 031 385 18 04/08

15. April 2015