Foodsave-Bankett 2018 in Bern. Foto: Pascale Amez

Foodsave-Bankett 2018 in Bern. Foto: Pascale Amez

Ein Bankett, das die Norm sprengt

Am 20. September gibt's auf dem Berner Bahnhofplatz ein besonderes Erntedankfest. Junge Menschen stellen ein riesiges Bankett aus Lebensmitteln auf, die den Verkaufsvorgaben nicht entsprechen. Alternativen zu Food Waste regen an, den eigenen Umgang mit Lebensmitteln zu überdenken.


von Andrea Meier, Fachstelle Kinder & Jugend

45 Prozent der Lebensmittel, die im Müll landen, haben es bis in unsere Wohnungen geschafft. Hier fallen sie schlecht geplanten Einkäufen, falscher Portionierung oder ungeschicktem Kühlschrank-Management zum Opfer. 45 Tonnen Nahrungsmittel werfen alle privaten Berner Haushalte pro Tag durchschnittlich weg. Ein 40-Tonnen-Lastwagen wird diese Lebensmittelverschwendung am 20. September auf dem Berner Bahnhofplatz veranschaulichen.

Gleich daneben wird um die Heiliggeistkirche zu Tisch gebeten. Freiwillige werden ein riesiges Bankett aus hochwertigen Lebensmitteln vorbereiten. Alle sind einwandfrei, fallen aber aus der Norm, die wir uns aus den Geschäften gewöhnt sind. Das Bankett zeigt, wie Food Save genussvoll «in aller Munde» sein kann.

Krummes Gemüse geniessen

Seit seiner Entstehung vor vier Jahren hat sich das Foodsave-Bankett zu einem Netzwerk entwickelt, das über 30 Berner Initiativen verbindet, die sich für einen sorgfältigen Umgang mit Lebensmitteln einsetzen. Ob Brot «frisch von gestern», Rettungsaktionen für zu kleine oder krumme Kartoffeln, Äpfel und Erdbeeren, offene Kühlschränke, Schnippeldiscos oder Bouillon-Kochen mit Dutzenden Beteiligten: Die Menschen in Bern setzen sich auf vielfältige Art gegen Food Waste ein.

Um den Bankett-Grossanlass zu organisieren, bringen junge Freiwillige viel Herzblut und Professionalität mit. Über die Jahre sind sie zu einem gewachsenen Team für das Abenteuer «Food Save» geworden – mit 1500 Portionen Essen, einer 60 Meter langen Tafel und über 50 Freiwilligen. Jedes Jahr stossen neue Menschen und Organisationen zum Projekt. Es bringt in Bern Menschen zusammen, denen die zunehmende Entkoppelung von Nahrungsmittelproduktion und Konsument*innen nicht egal ist.

Dieser Erntedank auf dem Bahnhofplatz heisst auch, «mit allen» zu feiern. Ungeachtet von Status und Herkunft geniessen Hunderte gemeinsam das 3-Gang-Menu aus geretteten Lebensmitteln. Es wird in Kooperation mit dem Hotel Schweizerhof und dem Restaurant Mein Küchenchef zubereitet. Bei diesem Bankett unter freiem Himmel realisiert sich eine Tischgemeinschaft, die unserer Gesellschaft guttut.

Dass Erntedank so im Herzen der Stadt gefeiert wird, freut die Initiant*innen der Fachstelle Kinder & Jugend und der «offenen kirche Bern». Eine kirchliche Feier rundet den Anlass jeweils ab, denn Dankbarkeit heisst Verantwortung zu übernehmen für die Geschenke der Natur. Für Food Waste tragen nicht nur Konzerne oder «die Politik» die Verantwortung. Indem wir alle achtsam haushalten, können wir viel tun. Die Sorge um den eigenen Haushalt lässt sich zudem mit dem Aufruf von Papst Franziskus zur «Sorge um das gemeinsame Haus» verbinden.

 

Programm gegen Food Waste

Dienstag bis Donnerstag, 17. bis 19. September: Foodsave-Menus in diversen Restaurants

Freitag, 20. September, Bahnhofplatz:
ab 08.00 Foodsave-Märit mit einwandfreien Lebensmitteln, die nicht der Norm entsprechen (Spende)
15.00 Bankett und Apéro vorbereiten
17.30 Apéro und Musik
18.00 Bankett
20.30 Erntedank mit Musik in der Kirche
21.00 Bankett abbauen Alle sind herzlich eingeladen – es hat genug für alle!

www.foodsave-bern.ch
Kontakt: andrea.meier(at)kathbern.ch

 

 

3. September 2019
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 19
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