pfarrblatt:

News-Artikel

Foto: Universität Paderborn

Ein Buch fürs Leben

Letztes Jahr habe ich Woche für Woche mit Neugier und Freude in der Samstagsbeilage Magazin von «Der Bund» gelesen, welches Buch prominente Persönlichkeiten «fürs Leben» auswählen. Vor allem die Erklärung dieser Wahl war spannend, als sei ein Buch eine Art «Sesam öffne dich» und würde den Weg zu einer neuen Freundschaft ebnen. Das Buch wird zum Spiegel der Persönlichkeit, weil ausgerechnet es unter tausenden mehr oder weniger bedeutenden Werken ausgelesen wurde. Das Buch als (eine) Art Ich-Botschaft! Ich habe mir jede Woche die Frage gestellt, welches Buch ich selbst fürs Leben auswählen würde, und die Antwort bleibt mir nach Aussetzen der Magazin-Rubrik immer noch aus. Es gibt ja das Buch für die Ferien (idealerweise ist der Ferienort auch Teil der Geschichte, damit ich ihn durch fremde Augen entdecken kann) … zum Geniessen … zum Abschalten nach einem mühsamen Tag … das Buch als poetischer Unterbruch … für den ungestillten Wissenshunger … das Buch, das vom ersten bis zum letzten Buchstaben verschlungen wird … den «Jugendfreund», den ich jährlich einmal lese, auch wenn mir mit den Jahren jegliche Überraschung ausbleibt, wie ein profanes Ritual oder eine Pilgerreise ins Bekannte … das Buch, «das du unbedingt lesen musst» … das Buch, das angeregte Gespräche mit Kollegin oder Freund zur Folge hat … das Sehnsüchte weckt … das Buch als Tor zu meiner oder zu deiner Kultur (ich schenke gerne Bücher von Westschweizer-Autoren) … der Erstling eines noch unbekannten Talents oder das Meisterwerk der Weltliteratur (es gibt Autoren oder Autorinnen, die man unbedingt gelesen haben muss, auch mit Genuss). Damit ist mein Bücherregal fast schon voll! Und die Frage nach dem Buch fürs Leben bleibt immer noch unbeantwortet. Welches ist Ihr Buch fürs Leben? Können Sie einen Entscheid treffen? Ich poche auf das Recht auf «nicht wählen müssen». Ein Aufenthalt auf einer Insel kommt nur in Frage, wenn es dort eine öffentliche Bibliothek (selbstverständlich mit dem «pfarrblatt»!) gibt. Und ein Kreis von leidenschaftlichen Leserinnen und Lesern. Geteilte Lese-Freude ist ja bekanntlich viel schöner. Ich möchte hier meine ewige Dankbarkeit an alle ausdrücken, die bei mir die Freude an Büchern geweckt haben. Diese Freude ist unverzichtbar. Und ein Leben ohne Buch undenkbar. Gäbe es aber nur ein Buch? Dann die Bibel (Altgriechisch: Buch), Helden (und Heldinnen), Könige, Dichter, Weise: Das Buch bietet eine unerschöpfliche Vielfalt an Geschichten, meditativen Anstössen und Heilsbotschaften, die unsere Hoffnung stillt!  

Anne Durrer (1962), Apothekerin, Mediensprecherin santésuisse, aufgewachsen in der Nähe von Genf, wohnt in Bern. Autorenportraits

26. Januar 2012