Santa Lucia

Santa Lucia

Ein Fest des Friedens und des Beisammenseins

Als Höhepunkt der Vorweihnachtszeit feiert man Mitte Dezember in Schweden, Norwegen und in schwedischsprachigen Gebieten Finnlands das Fest der heiligen Lucia.

Von Marisa Birri, Schweizer Austauschstudentin in Vasa, Finnland


Helsinki führt jedes Jahr am 13. Dezember eine grosse Luciaprozession durch die ganze Stadt. Diese gleicht einem Fasnachtsumzug, so gross ist das Gefolge der Lucia mittlerweile geworden. Wer die heilige Lucia jeweils verkörpern darf, wird im Rahmen eines schriftlichen Wettbewerbs bestimmt. Das Mädchen wird am späteren Nachmittag im Dom von Helsinki mit der Lichterkrone gekrönt.

Danach zieht sie als Lucia in einer Parade aus. Ihr Gefolge setzt sich aus Stjärngossen (Buben mit kegelförmigen Sternhüten), Wichteln, Weihnachtsmännern und Elfen zusammen – singend ziehen alle durch die Strassen der finnischen Hauptstadt.

In der westfinnischen Hafenstadt Vasa spricht ein Viertel der Einwohner Schwedisch. So wird auch hier jährlich eine Lucia gekrönt. Wie schon seit Jahrzehnten üblich, besucht Lucia Rentner*innen zu Hause, in Altersheimen und Spitälern. Sie singt für die Menschen und bringt ihnen traditionelle Lussekatter (Luciakatzen), ein süsses Safrangebäck. Das Gewürz färbt den Teig gelb und soll das Licht, die Sonne und die Hoffnung symbolisieren.

«Als Kind habe ich dies jeweils sehr gerne gemacht. Heutzutage feiern meine Kinder Lucia etwas anders; es ist weniger üblich, von Tür zu Tür zu gehen», erzählt die Englischlehrerin Camilla Fant. Anfang November beginnen in den Schulen die Vorbereitungen für die Luciaprozession. Die Musiklehrpersonen üben mit ihren Schüler*innen die Lieder ein.

Die Hüte der Stjärngossen werden kontrolliert und falls nötig neu gebastelt. Aber das Wichtigste findet Anfang Dezember statt: die Wahl der Lucia. In diesem Jahr wird eine 12-jährige Sechstklässlerin die Luciaprozession der Övningsskola und der Åbo Akademi University in Vasa anführen.

Die Lehrpersonen wählen das Mädchen anhand zweier Kriterien aus: Sie muss singen und ein Gedicht vortragen können. «Bei uns sorgt das Luciafest jeweils für grosse Aufregung», berichtet Heimo Oksanen, einer der Lehrer und Mitorganisatoren. «Jedes Jahr gibt es einige traurige Mädchen, die als Kerzenträgerinnen mitziehen, statt selber die Lucia sein zu dürfen.»

Die zwei Schwestern Adele und Aviva sprechen gerne von der Luciaprozession an ihrer Schule. «Die Stjärngossen sind mit Kerzen in der Hand auf der Bühne, um die Lucia zu empfangen. Diese geht mit kerzenhaltenden Mädchen als Gefolge durch die Zuschauer. Danach lesen Lucia und die beiden Mädchen neben ihr ein Gedicht vor, und alle singen zusammen», berichtet Adele.

«Am Schluss geht Lucia mit ihrem ganzen Gefolge nochmals durch die Zuschauer, dann ist die Prozession zu Ende.» Aviva geniesst die Luciaprozession, hält jedoch fest, dass es «immer stressig ist, wenn man auf der Bühne steht, singt und auf die brennenden Kerzen aufpassen muss.»

Ihre Familie kommt für die Luciaprozession jeweils zur Schule. Am Abend gehen sie dann gemeinsam nach Vasa, um auch die städtische Lucia zu sehen, die auf einem Pferd geritten kommt. Für die Dozentin Jessica Sundman ist die Luciafeier «ein Fest des Friedens, der Ruhe und des Beisammenseins – friedvoll und gemütlich».

 

Lichtbringerin aus dem Süden

Das nordische Fest des Lichts hat seine Ursprünge in Sizilien. Einer Legende zufolge brachte die Jungfrau Lucia ihren Glaubensbrüdern während der Christenverfolgung Brot. Damit sie den Weg durch die versteckten Tunnel der Stadt Syrakus fand und die Hände frei hatte, trug sie einen Lichterkranz auf dem Kopf. Da sie als Christin lebte und sich weigerte, einen Heiden zu heiraten, starb Lucia im Jahr 304 den Märtyrertod.
Heute bringt St. Lucia symbolisch Licht und Hoffnung in die Welt. Ihr weisses Kleid repräsentiert Reinheit und Unschuld, ihre grüne Krone mit den Kerzen bringt Licht, und ihr roter Gürtel steht für ihr Martyrium. In Finnland wird das Luciafest vor allem in schwedischsprachigen Schulen und in der Hauptstadt Helsinki gefeiert.

 

 



12. Dezember 2018
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 51-52
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