Fronleichnam: zeigen, was wichtig ist. Rachel Moore, unsplash.com

Ein Festival des Glaubens?

Am 3. Juni ist es wieder soweit, die katholische Kirche feiert Fronleichnam. Eigentlich heisst dieses Fest offiziell «Hochfest des Leibes und Blutes Christi». Doch beide Bezeichnungen sind in der heutigen Zeit wohl nicht mehr auf Anhieb verständlich. Worum geht es bei diesem Fest?

Von Georges Schwickerath, Bischofsvikar der Region St. Verena (Kantone Bern, Solothurn, Jura)

Die Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie wird an diesem Tag in besonderer Weise gefeiert. Besonders in den katholisch geprägten Kantonen der Schweiz finden an diesem Tag, nebst der feierlichen Messe, auch Prozessionen statt. In der Monstranz, einem liturgischen Schaugerät (von lateinisch monstrare «zeigen») wird die verwandelte Hostie durch die Strassen der Ortschaften getragen. Die Menschen wollen an diesem Tag zeigen, was ihnen im Glauben wichtig ist. Aber ist diese Form noch zeitgemäss?

Zeigen und Sehen, was wichtig ist

Ich glaube schon. Erlauben Sie mir einen Vergleich zu grossen Sportsevents, vielleicht einer Fussballweltmeisterschaft. Ich kann mich noch gut an die Bilder erinnern, als Deutschland die WM gewonnen hat. Die siegreiche Mannschaft fuhr in einem offenen Bus durch die Strassen Berlins. Die Siegestrophäe wurde gezeigt und die Menschen waren voller Jubel und Freude. Diese Szene hatte für mich schon fast einen pseudo-religiösen Charakter.

Sport, Musikfestivals und andere Grossveranstaltungen sind gemeinschaftsbildend und entsprechen wohl einem inneren Bedürfnis von uns Menschen. Wir wollen das Gemeinsame öffentlich feiern. Das, was mir wichtig ist, möchte ich nicht für mich behalten, sondern es mit anderen teilen. Gemeinschaft stiftet Freude und das Gefühl von Solidarität. Es bereichert mein Leben und schenkt mir Erfüllung.

Öffentlich Zeugnis ablegen

Nichts Anderes möchte das Hochfest von Fronleichnam vermitteln. Es erinnert uns an die Wichtigkeit der Eucharistie, sie ist Quelle und Höhepunkt unseres Glaubens. Und wie schön ist es, wenn ich diesen Glauben in Gemeinschaft mit anderen leben, teilen und feiern darf. «Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu geben, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt», lesen wir im ersten Petrusbrief. Es ist also nur natürlich, dass Christ*innen zumindest einmal im Jahr auf den Strassen und Plätzen ihrer Ortschaften ein Zeugnis ablegen von dem, was ihnen im Glauben wichtig ist.

Und selbst wenn in der katholischen Diaspora, z. B. im Kanton Bern, das Fronleichnamsfest «eine Nummer kleiner» gefeiert wird, es keine öffentlichen Prozessionen gibt und der Tag auch kein offizieller Feiertag ist, so hindert uns niemand daran, ein ganz persönliches Glaubensfestival zu feiern. Letztlich sind alle Getauften eine lebendige Monstranz im Alltag der Welt. Und der schönste Ort, an dem wir Christus «zur Schau stellen» können, ist ein fröhliches und liebevolles Herz.

3. Juni 2021
erstellt von «pfarrblatt»
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