Andreas Brun. Foto: zVg

Ein geschenkter Tag

«E gschänkte Tag» lautet der Titel eines Jodelliedes von Adolf Stähli (1925–1999). Das Lied erzählt von den Wolken des Lebens, von frostigen Winden, die einem auf dem zielstrebigen Weg durch den Alltag rau entgegenwehen, und von der Sonne, die golden leuchtend über allem steht und einen ermahnt: Auch ein widriger Tag ist ein geschenkter Tag. Ein befreiender «Jutz», ein Schrei der Seele, unterstützt bei der Erkenntnis.

Ab und zu wünscht man sich so einen geschenkten Tag. Einen zusätzlichen Arbeits- und Pendenzenaufarbeitungs-, einen Du-kannst-machen-was-du-willst-Tag. Einer meiner Tage ist kürzlich «e gschänkte Tag» geworden. Wegen eines Sturmtiefs, welches grosse Schäden anrichtete und gar Menschenleben kostete. Mir schenkte es einen zusätzlichen Ferientag in den Bergen.

Meine Freude über dieses unerwartete Geschenk war gemischt. Die Pläne für diesen Tag waren längst gemacht. So konnte ich nicht einfach zu einem befreienden «Jutz» ansetzen oder mich auf die prall mit Leben gefüllten Wörter aus Psalm 16 stützen: «Du lässt mich den Weg des Lebens erkennen. Freude in Fülle vor deinem Angesicht, Wonnen in deiner Rechten für alle Zeit.» Selbst «e gschänkte Tag» in den Bergen ist nicht immer uneingeschränkt ein Geschenk.

Andreas Brun,
Pastoralverantwortlicher des Bistums Basel

«Was mich bewegt» im Überblick

15. April 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 9
  • Pfarrblatt / Angelus
  • Spirituelles