Aufbrechen und neue Perspektiven entdecken. Foto: Casey Horner, unsplash.com

«Ein Tosen wie von einem Wind»

Ein «Tosen» (Apg 2,2) geht durch die Kirche – nicht nur hier.

Von Susanne Andrea Birke, Römisch-Katholische Kirche im Aargau

Ein Tosen zu erleben, ist selten angenehm. Im Global Network auf Rainbow Catholics erheben nach der letzten Verlautbarung der Glaubenskongregation Menschen rund um den Erdball ihre Stimme. Besonders berührt hat mich die Reaktion aus Brasilien. Darin bekräftigen lesbische, schwule, bisexuelle und trans Katholik*innen ihre Verbundenheit mit Christus und der Kirche, allen erlebten Verletzungen und Ausgrenzungen zum Trotz: «Lasst uns Hoffnung für die Kirche sein. Lasst uns weiterhin Zeichen der Freuden und Segen durch Zuneigung und Sexualität sein – in unseren Leben und in unseren Körpern».
Hier sprechen Prophet*innen von der Kirchenbasis unter widrigsten Bedingungen frei heraus, auch angesichts von Gewalt und Hetze in ihrem Land. Sie sind nicht allein.

Enttäuschung und Aufbrauch - ein Stück Pfingsten

Anfang Mai beim Regenbogenpilgern ging es um ähnliche Fragen. Menschen von neun bis über 60 Jahren, verschiedener Geschlechter, mit und ohne Migrationshintergrund und unterschiedlicher sexueller Orientierungen pilgerten miteinander. Die Geschichte der Jünger*innen auf dem Weg nach Emmaus begleitete uns. Sie hatten Grund, alles hinter sich lassen zu wollen. Diese Erfahrung brachte uns ins Gespräch. Manche berichteten von tiefen Verletzungen durch ihre Kirchen. Sie waren heimatlos geworden. Andere erzählten von Freiheiten, die sie schätzten und mit denen sie andere inspirieren konnten. Enttäuschung, Schmerz, Aufbruch und Hoffnung standen dicht beieinander. Die Verbundenheit über solche Unterschiede hinweg war ein Stück Pfingsten für mich, das ich mir für unsere Kirche wünsche. Unterschiede auszuhalten, ist oft alles andere als einfach. Mit solchen Differenzen einen gemeinsamen Weg zu finden, ist es noch viel weniger.

Verbunden in der Vielfalt

Die pfingstliche Verbundenheit über alle Grenzen hinweg steht auch innerkatholisch noch aus. Es braucht Heilige Geistkraft, damit aus dem aktuellen Tosen ein Reden wird, das Menschen in ihrer Verschiedenheit verbindet. Wir brauchen Prophetie und Taten, die Raum für alle schaffen, geistinspirierte Rede unabhängig von Geschlecht und Stand. Sie zeigt sich nicht in Ausgrenzungen und Abwertungen, die Menschen aus ihrer Kirche treiben. Sie zeigt sich, wenn Menschen sagen können: «Du hast mir die Wege des Lebens kundgetan.»

Pilgernd sahen wir die Vielfalt des Eichenmischwaldes, der eine besonders hohe Biodiversität aufweist. Vielfältig zu sein, ist ein Geschenk. Es bereichert und stärkt die Resilienz. Im Vertrauen darauf baten wir um den Segen des*der Lebendigen für uns Pilgernde und unsere Liebsten:

 

  • Segen für Einzelne
    Wo auch immer du unterwegs bist,
    möge Gottes Liebe um dich sein.
    Welche Enttäuschung, welcher Schmerz oder welche Angst
    dich manchmal fortgehen lässt,
    möge Gottes Liebe dich einholen
    und dir neue Perspektiven zeigen.
  • Segen für Beziehungen (Paare, Freundschaften, Familien)
    Wo immer auch eure Wege hinführen,
    möge Gottes Liebe euch immer begleiten.
    Wo auch immer ihr gemeinsam seid,
    möge Gottes Liebe in eurer Liebe zueinander aufscheinen
    und ihr Halt und Boden geben.

  • Segen für Alle
    Mögen Gottes Liebe mit uns allen sein.
    Möge diese Liebe uns als Gemeinschaft tragen.
  • So segne uns Gott
    Im Namen derer*dessen,
    die*der*das da sein wird,
    weil sie*er*es da sein wird.

    Im Namen Christi,
    der mit uns unterwegs ist.

    Im Namen der Geistkraft,
    die unsere Vielfalt zum Segen macht.
    Amen.

    Komm Ruach. Komm Pneuma. Komm Heiliger Geist. Wir brauchen dich.
22. Mai 2021
erstellt von «pfarrblatt»
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