Die Proben in der Berner Reitschule laufen auf Hochtouren.

Eine Frage der Perspektive

«Theater kennt keine Grenzen» bringt wieder ein interkulturelles Stück auf die Bühne. In einem partizipativen Prozess haben Jugendliche aus Bern «Gullivers Reise nach Liliput» erarbeitet und sich dabei mit Anderssein, Krieg, Freundschaft und Vielfalt auseinandergesetzt.

Text und Fotos: Kira Holz, Fachstelle Kinder & Jugend, Katholische Kirche Region Bern

Die Reise nach Liliput ist die erste von vielen Reisen, die der englische Schiffsarzt Gulliver in den Romanen von Jonathan Swift antritt. Swifts Werk ist satirisch, gesellschaftskritisch und zum ersten Mal 1726 erschienen. Fast 300 Jahre später erwecken 17 Jugendliche die Geschichte nun wieder zum Leben. Auf seiner ersten Reise lässt Swift seinen Gulliver nach einem Schiffsunglück auf der Insel Liliput stranden. Hier wird er von den quirligen sogenannten «Liliputanern» in Empfang genommen.

Je nach Perspektivenwechsel ist Gulliver nun der abnormale Riese, oder die Liliputaner sind die kleinen Zwerge. Ein verrücktes und komisches Spiel zwischen Gross und Klein beginnt. Die grosse Halle Bern bietet dazu eine wunderbare Möglichkeit, dem dynamischen Kontrast einen passenden Raum zu geben. Im Verlauf des Stücks gerät Gulliver immer tiefer in die aussen- und innenpolitischen Verstrickungen der Liliputaner und findet sich selber wieder als Verbündeter, Feind, Retter und Hochverräter. Es wird gefeiert, getanzt, diskutiert und rebelliert, bis die Paläste brennen.

Kulturvielfalt im Rampenlicht

Die Junge Bühne Bern bietet verschiedene Jugendtheaterclubs für diverse Alterskategorien an. «Theater kennt keine Grenzen» (TKKG) ist aus dem ehemaligen Jugendtheaterclub U26 entstanden. Die Vision dahinter: Zugang zu Kultur für alle, gemeinsam mit allen. Dieser kreative Raum soll allen Jugendlichen aus Bern – unabhängig von ihrem Aufenthalts- und Sozialstatus – kulturelle und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen sowie den Austausch untereinander fördern. Verschiedenste Lebensbedingungen und Sprachbarrieren treten in den Hintergrund, während Spiellust und Ideenreichtum kulturelle Diversität sichtbar machen.

Die Texte und dramaturgische Umsetzung in «Gullivers Reise nach Liliput» sind Ideen der Jugendlichen, die durch Improvisationen in Kleingruppen Gestalt bekommen haben. Aus den Disziplinen Schauspiel, Tanz, Musik und Soziale Arbeit haben sie zudem professionelle Unterstützung erhalten. Bisher haben Jugendliche mit TKKG die Stücke «#babylon» (2018) und «Die Irrfahrten des Odysseus» (2017) auf dieselbe Weise erarbeitet und aufgeführt.

 

 

Wasim: «Ich bin seit drei Jahren bei TKKG. Es ist gemütlich, und wir können zusammen lachen. Im Alltag fühle ich mich mal so gross wie Gulliver und mal so klein wie ein Liliputaner.»

Nicole: «Ich wollte mit Gleichaltrigen Theater spielen und finde es cool, dass TKKG auch integrativ ist. Unser Stück greift die Themen Integration und Gesellschaft auf.»

Simon: «Es geht ums Anderssein. Irgendwo hinzukommen, wo alles anders ist, andere Regeln gelten und es dadurch schnell zu Missverständnissen kommen kann.»

Angelika: «Es macht Spass, ein Stück zu präsentieren. Dass es Konflikte gibt zwischen verschiedenen Gruppierungen, widerspiegelt die Gesellschaft, heute wie früher.»


«Gullivers Reise nach Liliput»
Grosse Halle, Reitschule Bern
27., 28. und 29. Juni, 20.00
30. Juni, 17.00
2. Juli, 10.00 und 14.00: Schulvorstellungen (Reservation nötig)
Internationales Essen, Kollekte (Richtpreis), «es hett, solang’s hett».
https://junge-buehne-bern.ch

 

 

 

 

 

26. Juni 2019
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 14
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