pfarrblatt:

News-Artikel

"Bei Gott sind alle Menschen willkommen." Noemi Honegger, Arlesheim (Baselland), Theologiestudentin in Fribourg.

Eine perfekte Antwort

Lange habe ich überlegt, welchen Bibeltext ich wählen sollte. Verschiedene Texte aus den Evangelien oder den 5 Büchern Moses kamen mir in den Sinn, aber keiner schien richtig gut zu passen. Plötzlich aber erinnerte ich mich … Ich war noch ziemlich klein, vielleicht zwölf, als in der Messe ein Vers aus dem ersten Johannesbrief Gegenstand der Predigt war. Von der Predigt weiss ich heute nicht mehr viel, die Aussage «Gott ist die Liebe» ist mir aber geblieben. Oft werde ich gefragt, was glaubst du eigentlich? Oder was bedeutet dir Gott? Wie stellst du dir diesen Gott vor? Was bedeutet dein Glaube für dein Leben?

Genau auf diese Fragen ist dieser Vers eine perfekte Antwort. Ich glaube an Gott, der die Liebe selbst ist, der in bedingungsloser Liebe Mensch wird und unsere Sünden auf sich nimmt. Dadurch wird Vergebung der Sünden möglich. Bei Gott sind alle Menschen willkommen und finden Trost, Geborgenheit und Vergebung, weil Gott die Liebe selbst ist. Christ und Christin zu sein bedeutet, sich Gott zum Vorbild zu nehmen und danach zu leben. Im Umgang mit den Mitmenschen aber auch mit sich selber zählt stets und in erster Linie die Liebe. Es geht um das Gebot der Nächstenliebe, das nicht primär von Sympathie oder blosser Zuneigung gegenüber dem Nächsten handelt. Es ist viel mehr ein Anstoss, die Herausforderung anzugehen, unsere Mitmenschen und uns selbst mit Stärken und mit Schwächen zu akzeptieren, damit eine Begegnung ohne Vorurteile und mit Toleranz möglich wird. Dieses Wohlwollen gegenüber anderen Menschen und die damit verbundene Bereitschaft zur Vergebung sind für mich essenziell. Der Versuch, die Liebe über den Hass zu stellen, bringt uns oft an unsere menschlichen Grenzen, aber im Vertrauen auf Gott und seine Gegenwart kann ich mich dieser Herausforderung ohne Angst stellen. Ich kann mir sicher sein, dass durch gelebte Nächstenliebe Gottes Liebe erfahrbar wird und mich nichts von Gott trennt, so lange ich in der Liebe bleibe.  

17. November 2011