«Die Korruption hier ist etwas vom Schwierigsten.» Diet Koster, aus christlicher Überzeugung seit Jahrzehnten in Palästina engagiert und aus Bern unterstützt. Bild zVg.

Eine Rose für Palästina

Einst unterstützte der Christliche Friedensdienst (cfd) in der Nähe von Jerusalem Behinderte und Waisenkinder. Nach Projektabschluss half eine Gruppe aus Bern weiter. Daraus wuchs ein kleines Hilfswerk, das in einem schwierigen Umfeld etwas zum Blühen bringen möchte.


«Ende April 1967 kam Marylène Schulz nach Bethanien. Bevor sie sich zurecht finden konnte, begann der Sechstagekrieg», erinnert sich Diet Koster an den Anfang des bis 2008 dauernden Projekts des Christlichen Friedensdienstes (cfd) bei einer arabischen Frauen-Organisation – knapp fünf Kilometer von Jerusalem entfernt, am östlichen Hang des Ölbergs in Al Aizaria, besser bekannt unter dem biblischen Namen Bethanien.

1967 war schicksalhaft für Palästina. Mit dem Krieg zwischen Israel und Ägypten, Jordanien und Syrien begann die Besetzung der Westbank durch israelisches Militär. «Das macht den Alltag mühsam», erklärt Diet Koster. Für einen wenige Kilometer entfernten Besuch brauche sie manchmal bis zu zwei Stunden angesichts der Checkpoints und Kontrollen. Die längst pensionierte Holländerin ist, wie ihre elsässische Kollegin Marylène Schultz, seit Jahrzehnten in Bethanien-Aizaria aktiv. Die beiden Frauen sorgen dafür, dass das einstige cfd-Projekt weiterlebt. Es begann vor 50 Jahren mit der Förderung von behinderten Kindern, der Pflege und Betreuung von Erwachsenen sowie von Waisenkindern aus Palästina.
2008, nach Abschluss des cfd-Programms, übernahm ein Verein engagierter Frauen und Männer um Helene Stückelberger, Vroni Thurneysen und Mathias Rohner aus dem Kanton Bern die Unterstützung des dortigen Waisenhauses. Ihre christlich-humanistische Motivation prägt bis heute die Arbeit im muslimischen Umfeld vor Ort.

Weiterhin leiten reformierte und katholische Freiwillige wie Regina Petermann aus Bern oder die Bieler Präsidentin Elsbeth Caspar den Freundeskreis aus der Schweiz, den Niederlanden und Deutschland. Mittlerweile sind nicht nur die zwei ehemaligen cfd-Mitarbeiterinnen ihre Ansprechpersonen, sondern auch ein regionales Komitee in Palästina. Der Verein Bethanien – Aizaria leistet medizinische und soziale Nothilfe bei Familien, die nicht zu den Privilegierten gehören oder vom Krieg traumatisiert sind. Zudem werden Jugendliche in Ausbildung sowie Frauen und Männer bei Umschulungen gefördert, damit sie ihre Zukunft selber gestalten können.

Auch Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen bekommen Hilfe. Aus dem einstigen Waisenhaus ist eine Grossfamilie gewachsen. Diese so genannte «Schille» schafft wie ein lokaler Clan eine Heimat für die «Ehemaligen». Die Kids verstehen sich als Cousins und Cousinen. Diet Koster erzählt von ihren Herzenskindern samt 84 Enkelinnen und Enkeln. Quasi nebenbei geschieht dabei auch ein interkultureller Dialog, denn all die Verwandten sind muslimischen Glaubens.

Dank der Kenntnisse der arabischen Sprache, der palästinischen Kultur und der jüngsten Geschichte von der Intifada 1987 bis zur Besatzung kann Diet Koster vor Ort gezielt helfen und bekommt von der Bevölkerung Anerkennung. Es ist eine schwierige Zeit fürs Zusammenleben angesichts von Attentaten, militärischen Kontrollen, Nationalismus, politischer Zerrissenheit, Korruption und wirtschaftlichem Elend. Jungen Menschen fehlt es an Mobilität, Jobs und einer Perspektive für die Zukunft. «Doch Sie haben in einer der schwierigsten Gegenden der Welt seit 40 Jahren die Hoffnung nicht verloren», betonte der niederländische Botschaftsrat Kees T. Smit Sibinga im Juni 2017 an einer Ehrung von Diet Koster in Bern. Sie wurde für ihr Engagement vom holländischen König mit dem niederländischen Oranje-Orden ausgezeichnet.

Ausbildung als Hoffnung, Weiterbildung als Chance und lokale Nothilfe zum Überleben – das kleine und persönliche Hilfswerk will Jugendlichen und Familien helfen, neue Perspektiven zu entwickeln, und ihre Eigenverantwortung stärken. Und es schlägt eine Brücke vom Bernbiet nach Palästina. Für diese Versöhnungs- und Friedensarbeit wird die engagierte Gruppe von Freiwilligen von der «Rose von Jericho» inspiriert – dieser Pflanze, die ohne Wasser in der Wüste überlebt. Auch wenn es jahrelang karg und trocken ist, blüht sie eines Tages – wundersam und schön.

Karl Johannes Rechsteiner

Weitere Informationen
Verein Bethanien – Aizaria (vba), J. Verresiusstrasse 8, 2502 Biel, Postkonto 25-5389-7, elsbeth.caspar(at)bluewin.ch

 

 

13. Dezember 2017
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