Die Wallfahrtskirche " Maria Heilbronn" von Luthern Bad. Fotos: Niklaus Baschung

Votivtafeln und das Gnadenbild der Einsiedler Madonna in der Eingangshalle der Wallfahrtskirche.

Gottesdienst mit Pfarrer Jean-Marc Chanton

Mittagessen im Hirschen.

Spontantes Flötenkonzert während dem Mittagessen.

Die hintere Kapelle neben dem Gnadenbrünnli

Hintere Kapelle

Chor der Hinteren Kapelle: Maria mit dem Jesuskind, Johannes der Täufer und hl. Wendelin.

Das Gnadenbrünnli mit dem Heilwasser

Hintere Kapelle

Die Wallfahrtskirche von Luthern Bad mit Spielplatz.

Eine Wallfahrt, die Leib und Seele erfreut

Zu einer Wallfahrt, die Leib und Seele erfreut haben, brachen die Bieler Pfarreien St. Maria und Christkönig auf. Ziel war der am Fuss des Napfs gelegene Wallfahrtsort Luthern Bad. Er geht auf eine wundersame Heilung des gichtkranken Jakob Minder an Pfingsten 1581 zurück.

Schon bald nach der Abfahrt in Biel wurde deutlich, dass diese Reise einem besonderen Anlass diente. Mitfahrende Ministrantinnen und Kinder verteilten liebevoll mit Stoff und Halteschnur gebastelte und verzierte Trinkbecher. Mit ihnen konnten die Wallfahrenden später das heilende Wasser beim sogenannten Gnadenbrünnli trinken. Leider ist der hier Schreibende aus Unachtsamkeit schon nach ein paar Minuten auf den Plastikbecher gesessen, was dieser nicht heil überstand.

Trotzdem bekam auch er  als Wegzehrung ein Kleines selbstgebackenes Brot und zur Aufmunterung einen Witz des Carchauffeurs zu hören: „Ich  gebe euch noch die drei Menus des Mittagessens bekannt. Es gibt wahlweise Rösti und Salat; Salat und Rösti oder Rösti mit Salat gemischt. Auf Nachfrage verriet er auch noch das Dessert: ein Röstisoufflet.

Gut, das Essen von Mahlzeiten ist ja nicht der Hauptgrund für eine Wallfahrt. Doch tatsächlich waren die am Zielort angebotenen Menus im Hirschen vis-à-vis der Wallfahrtskirche einiges variantenreicher.

Gnadenbild der Mutter Gottes

Die Entstehungsgeschichte des Wallfahrtortes  wird im Band „Luthertal – Kirchen und Kapellen“ wie folgt beschrieben: „Im Jahre 1581 lebte der Bauer Jakob Minder mit seiner Frau und sechs Kindern etwa eine Wegstunde hinter Luthern. Im engen Tal und in den ungesunden Verhältnissen hatte er sich Gicht zugezogen, die ihn seit zwanzig Jahren plagte. Am Samstagabend vor Pfingsten legte er sich zu Ruhe und sah im Traum das Gnadenbild der Muttergottes von Einsiedeln. Sie sagte ihm, er solle hinter seinem Haus graben. Er werde dort Wasser finden. Damit solle er sich waschen. Jakob Minder tat das und wurde von seinem langjährigen Übel befreit. Als Wahrzeichen für die Verheissung  sagte die Muttergottes: Ich werde innert Jahresfrist deine sechs Kinder versorgen und Mutterstelle an ihnen versehen. Und im folgenden Jahr starben alle Kinder.“

Trotz dieser ziemlich tragischen Ereignisse verbreitete sich die Kunde von der Wirksamkeit der entdeckten Quelle schnell , so dass Renward Cysat (1545 -1614), Apotheker und Stadtschreiber von Luzern, von einem zuweilen wenig frommen Treiben rund ums heilende Wasser berichten konnte. Es kamen Gesunde und Kranke, viele nur aus reiner Neugier. Er habe 106 Zuber gezählt, schreibt Cysat. Das Lager mit der Verpflegung und den Garküchen habe einem Kriegslager geglichen, und die Leute hätten sich „umb dasselbig Wasser gerissen und gezancket, ja so wytt, das man einandern mit Streichen und Tröwungen von dannen getriben".

Gottesdienst in der Wallfahrtskirche

Der von Pfarrer Jean-Marc Chanton und Pastoralassistentin Luisa Heilsbetz gestaltete Gottesdienst in der Wallfahrtskirche von Luthern Bad wurde von mehreren Marienliedern umrahmt. Spontan begleiteten Peter und Martha Garst die gesungenen Lieder mit ihrem Orgel- und Flötenspiel.

In ihrer Predigt hob Luisa Heislbetz hervor, dass Maria in dreifacher Weise mit den Glaubenden verbunden ist: am bekanntesten als Mutter von Jesus, aber auch als Mitleidende beim Kreuzestod ihres Sohnes und schliesslich nach Ostern als Mitglied des Jünger- und Jüngerinnenkreises. Als Jüngerin hat Maria auch in besonderer Weise Gemeinsamkeiten mit den Wallfahrenden: Sie ist Teil einer Gemeinschaft, die auf dem Weg ist.

Sonne zeigt sich

Während es bei der Abreise noch in Strömen geregnet hat, tat sich nach dem Mittagessen der Himmel auf und der kurze Fussweg zum Gnadenbrünnli konnte bei schönstem Sonnenschein angetreten werden. Die Wallfahrenden tranken aus ihren oder vor Ort bereit gestellten Bechern vom heilenden, kühlenden Quellwassser. Einige füllten in Flaschen für sich oder ihre Angehörigen Wasser ab.

Der Wirt des Restaurant Hirschen, Max Bolzli, der einen Autoservice zur Quelle anbot, hielt noch eine kleine gratis Geschichtsstunde. Vor der Reformation habe diese Gegend am Napf zum Stand Bern gehört, und sei dann erst im Zuge eines Gebietstausches zum Kanton Luzern gelangt. Dabei sei Luzern, was die Grösse der getauschten Gebiete betrifft, über den Tisch gezogen worden. Immerhin, so folgert der Schreibende, hat der Kanton Luzern einen schönen Wallfahrtsort erhalten, an den wir Berner gerne wieder zurückkehren.    

Niklaus Baschung

 

Wallfahrtsgebet von Luthern Bad (Ausschnitt)
 
Heute kommen auch wir zu dir und vertrauen deiner gütigen Fürsprache. Erbitte allen Menschen die Gnade, Gott als ihren liebevollen Schöpfer zu loben und zu preisen. Erbitte der Kirche die Kraft, die Welt durch die Liebe zu verändern und das Liebesgebot des Herrn zu leben. Erbitte den Regierenden den Heiligen Geist, damit sie sich für Gerechtigkeit, Frieden und Ehrfurcht vor der Schöpfung einsetzen.Erbarme dich aller Kranken, aller Hungernden, aller zu unrecht Verfolgten und aller, die am Leben und an der Liebe des himmlischen Vaters verzweifeln. Schau gütig auf die Kinder in der weiten Welt, die nicht in der Geborgenheit einer guten Familie aufwachsen können.

 

 

1. Juli 2016
erstellt von angelus
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