Ein neuer Ansatz in der Paarberatung, die emotionsfokussierte Therapie, wird auch von der Fachstelle Ehe – Partnerschaft – Familie angeboten. Foto: Joshua Ness on Unsplash

Emotionen und Bindung

Die Zahlen sind deutlich: Die Forschung weist die sogenannte «Emotionsfokussierte Therapie für Paare» als aktuell wirksamste Methode in der Paarberatung aus. Im englischen Sprachraum ist dieser Ansatz bereits weit verbreitet, im deutschen Sprachraum noch kaum. Wir von der Fachstelle Ehe – Partnerschaft – Familie bieten diese Methode in unseren Paarberatungen seit einiger Zeit an.


Langjährige Studien bei Paaren haben gezeigt: Die Qualität einer Beziehung leidet, wenn im Umgang mit Unterschiedlichkeiten oder in Konflikten schwierige Emotionen chronisch überwiegen. Wenn man sich wiederholt unverstanden, nicht akzeptiert, unwichtig, alleine fühlt, ist das in einer Beziehung besonders gravierend, weil man sich ja gerade vom Partner, von der Partnerin am sehnlichsten das Gegenteil wünscht.

Und das kann mit sich bringen, dass die tiefsten Bedürfnisse einer Bindung – Sicherheit, Akzeptanz, Trost, Bestätigung, Geborgenheit, Verlässlichkeit – nicht mehr erfüllt scheinen. Das ist so bedrohlich, dass es zu starken Reaktionen führt (z.B. Vorwürfe oder Rückzug).
So lässt sich erklären, warum eine harmlose Meinungsverschiedenheit über das «richtige» Aufhängen des Waschtuches zu einer frustrierenden Eskalation werden kann. Das Paar gerät zunehmend in ein destruktives Muster, die Reaktion des einen erhöht die Not des anderen und umgekehrt. Die Bindung fühlt sich für beide Partner immer unsicherer an, die Beziehung nimmt massiven Schaden.

Was passiert in der Beratung?
Die «Emotionsfokussierte Therapie für Paare» läuft in Phasen ab: In der ersten Phase wird versucht zu verstehen, was in diesem destruktiven Muster des Paares abläuft. Dabei ist es wichtig, die jeweils schwierigen emotionalen Zustände in der Sitzung direkt erlebbar zu machen. Ziel der ersten Phase ist es, das Muster mit der Zeit zu durchschauen, im Beziehungsalltag besser zu erkennen und beeinflussen zu lernen.

In der zweiten Phase wird angestrebt, dass die Partner sich noch vertiefter damit auseinandersetzen, welche schwierigen Emotionen bei sich selbst und beim Partner, der Partnerin dem Ganzen zugrunde liegen. Zentral ist es dann, dass wieder eine Bindung aufgebaut wird, die die zentralen Bedürfnisse (siehe oben) zu gewährleisten versucht. In Phase drei können dann konkrete Probleme des Paares diskutiert werden, was häufig deutlich konstruktiver und effizienter läuft, wenn das Paar diese Bindungssicherheit wiederhergestellt hat.

Nebst den individuellen Beratungen bieten wir im Herbst 2017 wiederum zwei Kurse für Paare an in Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle der reformierten Kirche (siehe Kasten). Speziell an den Paar-Abenden wird das Thema Bindung und Emotionen ebenfalls vertieft thematisiert.

Peter Neuhaus

Buchtipp: Johnson, Susan M. (2011): Halt mich fest, Junfermann-Verlag
Fachstelle Ehe - Partnerschaft - Familie

Kursangebote
Der Liebe eine Chance geben.
Paar-Abende: 5 Abende von 18.30– 21.30, inkl. Verpflegung. Donnerstag, 19. Oktober, 2./16./ 30. November und 14. Dezember. Ort: Kirchgemeindehaus St. Marien, Wylerstrasse 26, 3014 Bern. Kurskosten pro Paar: Fr. 320.–. Paar-Tag: Für Paare, die einen Ehevorbereitungskurs wünschen oder sich einen Tag Zeit für ihre Beziehungspflege nehmen möchten. Von 09.00–17.00 mit Mittagspause. Samstag, 11. November. Ort: Zähringerstrasse 25, 3012 Bern. Kurskosten pro Paar: Fr. 110.–. Ökumenisches Angebot. Anmeldung: Fachstelle Ehe – Partnerschaft – Familie, ehe.bern(at)kathbern.ch / www.kathbern.ch/eheberatung

 

 

 

 

13. September 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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