14. Juni: Mit pinken Gummistiefeln durch den «Sumpf» der Kirche waten. Foto: Silvia Huber

Engagiert auffallen

Ob mit pinken Gummistiefeln, pinkem Punkt oder einer gebastelten Mitra, am Frauenstreik vom 14. Juni zeigen sich auch Frauen, die in der Kirche engagiert sind. Sie wollen sich nach eigenen Angaben als «mitstreikende Kirchenfrauen solidarisieren». Darüber hinaus werden sie mit kircheninternen Aktionen am Wochenende vom 15. und 16. Juni auf sich aufmerksam machen. Die Hintergründe erklärt die Theologiebeauftragte des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes (SKF), Silvia Huber.

Von Silvia Huber, Theologiebeauftragte SKF

Zu oft sind wir Frauen in der Kirche selbstverständlich im Hintergrund tätig. Sei es als angestellte Sekretärinnen, Reinigungsfrauen und Sakristaninnen, sei es als ehrenamtliche Aktuarinnen und Beisitzerinnen im Kirchenrat oder als freiwillig Tätige bei Seniorennachmittagen, Geburtstagsbesuchen und dem Kinderhütedienst. Wie in der gesamten Gesellschaft, sind wir Frauen in kirchlichen Leitungsaufgaben schlecht vertreten. Dazu kommt, dass wir in der katholischen Kirche explizit ausgeschlossen sind von der Priesterweihe und damit entscheidende Funktionen gar nicht übernehmen dürfen – wenn wir denn wollten.

Veränderungen sind geschehen

Seit dem letzten Frauenstreik 1991 hat sich in der Gesellschaft und Kirche viel verändert. Frauen sind in der Öffentlichkeit präsenter geworden und haben – vor allem aus Gründen des Personalmangels – interessante und auch mit Macht bestückte Aufgaben übernommen, auch in der katholischen Kirche. Es gibt in der Schweiz zum Beispiel bald mehr Pastoralassistentinnen als Pastoralassistenten. Damit haben in den Pfarreien eine andere theologische Sprache, eine vielfältigere Seelsorge und eine buntere Lebensrealität Einzug gehalten.

Es hat sich aber auch einiges zum Schlechteren verändert: Gerade das Bekanntwerden der unsäglichen sexuellen Gewalt in der Kirche macht es uns Frauen sehr schwer, innerhalb dieser Institution weiterzuwirken. Der Sumpf der Missbräuche zeigt äusserst deutlich, wie die Macht in der Kirche verteilt ist und wie unkontrolliert Männer, vor allem Priester, damit umgehen konnten und noch immer können.

Frauen*KirchenStreik breit abgestützt

Der Frauen*KirchenStreik wurde von Theologinnen angeregt, die der Kirche trotz allem noch nicht den Rücken zugewandt haben. Frauen, die überzeugt sind, dass die Botschaft der Liebe, die wir als Christinnen verkünden, noch immer in die Welt hinausgetragen und gelebt werden soll – gerade auch in der und durch die Institution Kirche. Es ist grossartig, dass der Funke für die Frauen*KirchenStreik-Idee gesprungen ist und mit dem Schweizerischen Katholischen Frauenbund (SKF), der IG feministischer Theologinnen, der Zeitschrift Fama und dem Evangelischen Frauenbund der Schweiz (EFS) eine grosse Frauensolidarität wirkt.

Diese Allianz zeigt, dass viele Frauen innerhalb der Institution Kirche noch immer auf Veränderungen hoffen und sich deshalb lautstark und sichtbar einbringen. Auf dass Gerechtigkeit wird. Gleichberechtigung. Punkt. Amen. Die Vorbereitungen haben gezeigt: Es war eine lustvolle, kreative Arbeit, die viele Frauen motiviert und neu gestärkt hat. Stärkung brauchen wir für den unbeschadeten Marsch durch die Sümpfe! Also auf zum Frauen*KirchenStreik!

 

PINKIG GEISTVOLL
Das «pfarrblatt» hat nachgefragt:
Warum werden Sie am Frauen*KirchenStreik vom 14. Juni in Bern dabei sein?

 

 

  

Mehr zum Frauen*KirchenStreik: www.frauenbund.ch

kath.ch, 2.6.2019: «Mitren in pink für den Frauenkirchenstreik»

28. Mai 2019
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 12
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