pfarrblatt:

News-Artikel

Erlösung ist Befreiung zur Liebe

Ich war 26 Jahre lang Redemptorist. Name und Auftrag dieser Ordensgemeinschaft gefielen mir sehr, denn «Redemptor» heisst Erlöser. Ja, ich glaube, dass Jesus erlösend wirkte, und das wollte ich auch. Aber ich teile nicht die Auffassung der traditionellen Theologie, die sagt, Jesus habe durch seinen Tod am Kreuz die Sünden der Menschen getilgt, Gott mit der Menschheit versöhnt und ihr das Tor zum Himmel wieder geöffnet. Diese Deutung spielt auf Adam und Eva an, die Gott wegen ihres Ungehorsams – mythologisch gesagt – aus dem Paradies vertrieben hat. Sie entspricht aber ganz und gar nicht dem Glauben von Jesus, der Gott als liebenden Vater bezeichnete. Gott schickt niemanden in den Tod und Gott vergibt von sich aus, nicht aufgrund eines blutigen Opfers. Dennoch ist Jesus der Befreier par excellence. Seine Botschaft befreit von Egoismus, Ängsten und falschen Schuldgefühlen – und befreit für die Liebe. Seine Befreiung wirkt im Innersten, im Herzen. Von da aus wirkt sie nach aussen, auf das Verhalten. Ich bin überzeugt: Wer die innere Befreiung erlebt hat, kann nicht anders, als gegen Unterdrückung, Ausbeutung und Unmenschlichkeit einzustehen. An Jesus bewahrheitet sich das Wort: Die Wahrheit macht frei. Es ist aber nicht eine abstrakte Wahrheit, mit der man Andersdenkende bekämpft, sondern die gelebte Wahrhaftigkeit; nur sie macht frei. Erlösung bedeutet für mich: Versöhnung des Menschen mit sich selbst – das gibt inneren Frieden – und Versöhnung mit allen Menschen – das schafft äusseren Frieden.

José Balmer vertritt seine persönliche Sicht. Wer auf seine Anregungen einsteigen will, kritisch, zustimmen oder ergänzend, kann das in unserem begleitenden Forum tun (Online-Formular, Email).

18. Juni 2014