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Ermutigendes Zeichen religiöser Toleranz

Sowohl in der Gesellschaft als auch in der katholischen Kirche in der Schweiz sind binationale Familien inzwischen keine Ausnahmeerscheinung mehr. Durch die Internationalisierung und Globalisierung finden sich immer mehr Paare, die über kulturelle, sprachliche, religiöse und staatliche Grenzen hinweg eine Familie gründen. Eine Herausforderung auch für die Seelsorge.

Autorinnen: Eveline Sagna-Dürr und Angela Büchel Sladkovic

In der Schweiz sind nahezu 10% der Schweizerinnen und Schweizer mit einer Person ausländischer Staatsangehörigkeit verheiratet. Laut Bundesamt für Statistik waren 43% der im Jahr 2017 geschlossenen Ehen binational. Rund 36% sind Ehen zwischen Schweizer*innen und Ausländer*innen, 7% sind Ehen von Ausländer*innen unterschiedlicher Staatsangehörigkeit. Nicht berücksichtigt werden in diesen Zahlen die bi-nationalen Ehen, die im Ausland geschlossen wurden.

Auch Maya Abt Riesen, Co-Leiterin der Fachstelle Ehe-Partnerschaft-Familie, ist sich der Bedeutung von binationalen Paaren in der Schweiz bewusst. Insbesondere bei den von der Fachstelle angebotenen Ehevorbereitungskursen beobachtet sie eine Zunahme von bikulturellen Paaren. «Grundsätzlich stellen sich aber jedem Paar – unabhängig von ihrem kulturellen Hintergrund – die gleichen Herausforderungen. Die gängigen Konfliktthemen sind Finanzen, Kindererziehung, Haushalt und Herkunftsfamilien.»

Die Fachstelle vertritt die Haltung, dass jedes Paar gleichermassen mit kulturellen Differenzen konfrontiert ist, wobei diese nicht direkt auf die geografische Herkunft zurückzuführen sind. «Wenn zwei Menschen zusammenkommen und eine Partnerschaft eingehen, prallen zwei Familienkulturen aufeinander. Je nach familiärem Hintergrund müssen unterschiedliche Wertvorstellungen, Traditionen und Lebensweisen zusammengeführt werden», meint Maya Abt Riesen. Bei binationalen Paaren liegen diese familiären Voraussetzungen nicht zwangsläufig weiter auseinander als bei Schweizer Paaren.

Untersuchungen zeigen aber auch, dass binationale und ausländische Paare mit einer Vielzahl von sozialen und rechtlichen Hindernissen zu kämpfen haben. Schon das Kennenlernen ist geprägt von Einreisebestimmungen und existenziellen Fragen. Zieht ein*e Partner*in zum anderen, zahlt er/sie häufig einen hohen Preis: das soziale Umfeld, die Arbeitsstelle, die vertraute Umgebung. «Binationale Paare stehen häufig schon zu Beginn unter hohem Druck. Dies führt aber auch zu einer frühen vertieften Auseinandersetzung und einer bewussten Entscheidung füreinander», weiss Maya Abt Riesen.

Das Ankommen in einem neuen kulturellen und sozialen Umfeld erfolgt nicht von heute auf morgen. Viel persönlicher Einsatz aller Beteiligten ist gefragt. Gerade zu Beginn des Zusammenlebens ist auch die finanzielle Belastung und Abhängigkeit gross, denn der Weg in den «neuen» Arbeitsmarkt ist für die Zugezogenen oft steinig. Das ökonomische Ungleichgewicht ist nicht allein für die abhängige Person, sondern auch für die junge Beziehung herausfordernd.

Binationale Familien bilden jedoch ein enormes Potenzial für die Schweizer Gesellschaft. Für sie gehört der Umgang mit kultureller Vielfalt, Differenzen und Mehrsprachigkeit zum Alltag. Das Zusammenleben als binationales Paar stärkt die Beteiligten in ihren persönlichen Kompetenzen. Sie leben Integration in ihrem Alltag und tragen einen wichtigen Teil zum Zusammenhalt in einer Gesellschaft bei, die immer vielfältiger und komplexer wird.

 

Wenn Welten sich begegnen

Religion kann in binationalen Partnerschaften ein verbindender Faktor sein, der das Zusammenleben über die kulturellen und sprachlichen Unterschiede hinweg stärkt. Man teilt einen wichtigen Aspekt seiner Identität, steht auf einem gemeinsamen vertrauten Boden (siehe Porträt von Karin und Serge Agbodjan-Prince). Trotz der Verbundenheit im Glauben sind in manchen katholischen Gemeinschaften christliche Partnerschaften über die ethnischen Grenzen weg auch heute noch schwierig und müssen gegen den Widerstand von Verwandten erkämpft werden.

In religionsverschiedenen oder religionsverbindenden Lebensgemeinschaften ist es sinnvoll, dem Faktor Religion besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Religiöses kann immer wieder Anlass zu Diskussionen geben und zu einem ständigen Austausch herausfordern. Bireligiöse Ehepaare sind ein ermutigendes Zeichen religiöser Toleranz. Es ist bereichernd, Paaren zu begegnen, denen es gelingt, die eigene Religion und diejenige des Partners/der Partnerin zu respektieren und zu lieben.


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Die Fachstelle Ehe-Partnerschaft-Familie bietet Beratungen für Einzelpersonen, Paare und Familien an. Zudem organisiert sie Kurse und Abende für Paare in Ehevorbereitung und auch Paare, die schon länger zusammen sind. Weitere Informationen sind zu finden auf der neuen Website: www.injederbeziehung.ch

18. September 2018
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 39-40
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