EVP-Nationalrätin Marianne Streiff-Feller. Foto: zVg

EVP-Nationalrätin Marianne Streiff-Feller im Interview. Foto: zVg

EVP-Nationalrätin Marianne Streiff-Feller im Interview. Foto: zVg

«Es ist für mich eine christliche Verpflichtung, mich zu engagieren»

Die italienischsprachige Mission in Bern setzt sich gegen Menschenhandel und Ausbeutung in der Schweiz ein und hat EVP-Nationalrätin Marianne Streiff-Feller zu einem Interview über ihr politisches Engagement dazu eingeladen.

Italienischsprachige Mission Bern

Eine Arbeitsgruppe von Freiwilligen der Missione Cattolica di Lingua Italiana (MCLI) in Bern befasst sich mit den Themen Flüchtlinge und Ausbeutung von Menschen. Zentral dabei ist die Auseinandersetzung mit dem Menschenhandel in der Schweiz. Mit verschiedenen Events soll das Bewusstsein darüber in und über die italienischsprachige Gemeinschaft hinaus geschärft werden. Während den Aktionswochen gegen Menschenhandel («Schau hin!») hat die MCLI Informationsangebote, Vorträge und Interviews mit Schweizer und internationalen Persönlichkeiten organisiert, darunter Corrado Pardini (Gewerkschaft UNIA), Johanna Probst (Schweizerisches Forum für Migration der Universität Neuenburg) und Alexander Ott (Fremdenpolizei Bern).

Auch Marianne Streiff-Feller, Nationalrätin und Parteipräsidentin der Evangelischen Volkspartei der Schweiz (EVP), hat einen Einblick in ihre Arbeit und in ihr politisches Engagement gegen Menschenhandel gegeben. Mit mehreren Vorstössen im Parlament und Verpflichtungen in verschiedenen politischen Ämtern und Organisationen setzt sie sich aktiv für soziale Themen ein. In einem Interview mit der MCLI erläutert sie, dass ihre politische Tätigkeit auf den Säulen Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Menschenwürde basiere. Insbesondere die letzten beiden werden im Menschenhandel, insbesondere zum Zweck sexueller Ausbeutung, massiv mit Füssen getreten. Ein grosser Teil ihrer Vorstösse im Parlament betreffe die Gesetzgebung und Bereitstellung von Ressourcen zur Bekämpfung von Menschenhandel und Ausbeutung – Themen, die auch in den Interviews mit Corrado Pardini und Alexander Ott zur Sprache kamen.

Im Interview hält Marianne Streiff fest, dass die Schweizer Gesetzgebung Menschenhändlern ermöglicht, hier ein Low-Risiko-Geschäft zu führen. Lücken in unserem Strafgesetz erschweren es, das Ausnützen von Personen in Notlagen zu ahnden und zu bestrafen, vor allem, wenn die Opfer ohne sichtbaren Zwang ausgebeutet werden.

Im Bereich der Prostitution, tut sich die Schweiz schwer, eine klare und restriktive Gesetzgebung einzuführen. Andere Länder haben mittlerweile das schwedische Modell der Freierbestrafung übernommen. Dieses Modell verfolgt strafrechtlich die Freier, bekämpft also die Nachfrage, und führt dazu, dass das Angebot von Prostitution nicht länger ein lukratives Geschäft bleibt. Als relevanter Nebeneffekt dieser Strategie stellt man ein Umdenken in der Gesellschaft fest. Das Bewusstsein wächst, dass es ist nicht normal ist, dass man Sex kaufen kann. Freier sind Täter. Prostituierte sind Opfer, sie bieten sich nicht aus Freude, sondern aus einer Notlage heraus an. Es geht um Ausbeutung von Menschen.

Die Bekämpfung von Menschenhandel und Ausbeutung liegt in der Schweiz in der Verantwortung der Kantone. Bedingt durch begrenzte Ressourcen gibt es Kantone, die mit der Umsetzung Mühe haben und weitere Unterstützung bräuchten. Es besteht die Gefahr, dass die Strafverfolgung in den verschiedenen Regionen ungleich gut wirkt und dies von Menschenhändlern bewusst zu ihrem Vorteil ausgenutzt werden kann. Hier setze sich Marianne Streiff dafür ein, dass der Bund mehr Ressourcen freigibt.

Nebst dem Engagement im Parlament für die Anpassung der Gesetzgebung und die Bereitstellung von Ressourcen, sieht die EVP-Nationalrätin ein grosses Potential in der Sensibilisierung und Verstärkung der Wahrnehmung für dieses Problem in unserer Gesellschaft. Nur eine aufgeklärte und empfindsame Gesellschaft kann dieser Kriminalität entgegenwirken.

Zum Schluss des Interviews hält Marianne Streiff fest: «Wenn man christliche Grundprinzipien wie ‘Liebe deinen Nächsten wie dich selbst’ lebt, kann man nicht einfach wegschauen, wenn der Nächste ausgebeutet wird. Es ist für mich eine christliche Verpflichtung, mich zu engagieren. Ich bin schliesslich nicht auf dieser Welt, damit es nur mir gut geht, sondern damit es uns allen gut geht.»

 

Das vollständige Interview mit EVP-Nationalrätin Marianne Streiff-Feller anschauen oder lesen (Video oder Text) finden Sie hier: www.missione-berna.ch/mariannestreiff

 

 

13. Oktober 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 22
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