Jerusalem. Blick auf Moscheen, Kirchen und Synagogen – auf engstem Raum buhlen die Religionen um Aufmerksamkeit. Der muslimische Felsendom thront über der Stadt, zu seinen Füssen die Klagemauer, letzte Reste des grossen jüdischen Tempels. Gemeinsame Fundamente? Foto: Alpenfux / photocase.de

Extra ecclesiam nulla salus!

Erstmals im 15. Jahrhundert festgeschrieben, lässt sich dieser umstrittene Glaubenssatz mit «Ausserhalb der Kirche kein Heil» übersetzen. Will heissen: Ausschliesslich wer im Namen der katholischen Kirche getauft ist, hat Chancen, nach dem Tod seinem Schöpfer gegenüberzutreten – und nicht ewiglich im Höllenfeuer zu schmoren.

Dieses Dogma der Erlösung einzig durch die katholische Kirche wurde verständlicherweise zu allen Zeiten angezweifelt. Schon allein weil es einen oberflächlichen Gott voraussetzt, der Menschen nicht nach ihrem Glauben, sondern nach der Konfession beurteilt.
Müsste man sich dann einfach katholisch taufen lassen, um zum Heil zu kommen – auch wenn man gar nicht glauben kann? Und was ist mit den armen Seelen, die in ihrem Leben nie mit der katholischen Kirche in Kontakt kommen?

Der Glaubenssatz wurde dementsprechend schnell relativiert: Es sei selbstverständlich, dass Gott alle Menschen gleichermassen liebe und retten wolle. Wer guten Glaubens einer anderen Religion angehöre, habe also nichts falsch gemacht – wie auch! Nur wer wisse, dass der katholische Glaube der rechte Weg sei (also an die katholische Lehre glaubt), und sich trotzdem gegen die Kirche stelle – tja, der hat halt Pech gehabt.

Die exklusivistische Haltung der Kirche ist also grösstenteils Geschichte. Das päpstliche Schreiben «Nostra aetate» etwa sagt aus, dass alle Religionen in gutem Gewissen die gleiche Sinnsuche betreiben – und alle Religionen wertvolle Beiträge zu dieser Suche leisten.
Dieser sogenannte Inklusivismus hält aber immer noch fest: Wir haben trotzdem mehr Recht als die Anderen. Das bleibt aber Spekulation.

Ich für meinen Teil habe zwar Erfahrungen gemacht, die mir Gott greifbar gemacht haben – daraus zu schliessen, dass der katholische Glaube die einzig wahre Tradition ist, kann ich trotzdem nicht. Gleichwohl finde ich es vernünftig, katholisch zu bleiben: Weil der Katholizismus zentrale Botschaften enthält, die mir wichtig sind und mein Welt- und Menschenbild fundamental prägen – und weil ich glaube.

Sebastian Schafer


Die Jahresserie 2018 im Überblick

24. Januar 2018
erstellt von «pfarrblatt»
  • Pfarrblatt / Angelus
  • Spirituelles
  • Bildung