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Einmal im Jahr

Von Gabriele Berz, Spiez

Eigentlich ist Fasnacht nicht wirklich meine Sache. Als Kind ist mir die rheinische Fasnacht, die mich weinselig umgeben hat, eher fremd geblieben, und in vielen Luzerner Jahren habe ich am urtümlichen Geschränze und «Geguuge» zwar Freude gefunden, aber konnte es auch immer ganz gut ohne aushalten. Drum ist es ein bisschen seltsam: Während sich die meisten Menschen hier im wunderschönen Berner Oberland nach den Sportferien sehnen, um die schneebedeckten Hänge hinunterzugleiten, stelle ich verwundert fest, dass mir die Fasnachtsferien tatsächlich ein wenig fehlen.

Vielleicht liegt es daran, dass man sich – selbst wenn man sich in den Fasnachtsgebieten nicht wirklich in das Getümmel stürzt und das Geschehen nur vom Rande her verfolgt – dieser heiteren Lebensfreude nur schwer entziehen kann. Für ein paar Tage bleibt die Welt zwar nicht stehen, aber bewegt sich doch in einem anderen Tempo. Und ich kann mir auch als Fasnacht-Zuschauerin vorstellen, dass das gefällt und dass diese strotzende Lebensfreude Spass macht: gegen die Dunkelheit und Melancholie des Winters zu musizieren, zu tanzen, zu essen, zu trinken, zu lachen und fröhlich zu sein.

Noch mehr aber gefallen mir diejenigen, die den Mut haben, für einmal in ganz andere Rollen zu schlüpfen und jene Seiten von sich auszuleben, die sonst im Geheimen verborgen sind und trotzdem zu einem gehören. Der Bub, der sich nie traut, sich gegen andere zu wehren, wird zu einem tapferen Rambo, der alle bezwingt. Das unauffällige Mädchen, nach dem sich im richtigen Leben niemand umdreht, wird zur stolzen Prinzessin, die alle Blicke auf sich zieht. Die ernsthafte Frau, die das Leben immer eine Spur zu schwer nimmt, wird zum Clown, der überall ein Lächeln auf die Gesichter zaubert. Der Bankangestellte, der die Kund*innen von morgens bis abends höflich, korrekt und kontrolliert bedient, wird zur wilden Hexe, die durch die Strassen fegt und Menschen mit ihrem Besen vor sich herjagt.

Einmal im Jahr so sein, wie ich mich sonst nicht getraue. Einmal im Jahr das leben, wonach ich mich im Verborgenen sehne. Die dunkleren Seiten meiner Seele zum Leuchten bringen. Und glücklich und erleichtert feststellen, dass die Welt auch dann noch nicht untergeht, wenn sie vorübergehend ein wenig auf dem Kopf zu stehen scheint.Und dann denke ich erstens, dass man ja aus allem im Leben irgendetwas lernen kann. Ich denke zweitens, man könnte von der Fasnacht lernen, dass es möglich ist und manchmal gut täte, nicht alles im Leben so schwer zu nehmen – auch ohne Fasnacht. Und dann denke ich noch drittens, wie gut der liebe Gott auch dies wieder gemacht hat: dass er, als er die Welt erschaffen hat, an die drei «L» gedacht hat: die Leichtigkeit, die Lebensfreude und das Lachen.

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Masken tragen – aber bitte nur in der Fastnachtszeit

von Nhora Boller

Meines Wissens nach existierten schon vor mehr als 5000 Jahren Volksfeste, wo sich die Leute kostümierten, wo Gruppen musizierten und Lieder sangen, mit Paraden und Schnitzelbänken, und wo ein gewisser Mangel an Kontrolle erlaubt war. Sie wurden im Laufe der Jahrhunderte ein fester Teil in verschiedenen Kulturen. Unübersehbar ist die Rolle, welche diese Feste bei der Entwicklung der Kunst spielten! Das Fasnachtschüechli ist ein Beispiel des gastronomischen Erbes, da vielerorts das Ziel war, alle Überreste des Wintervorrats aufzubrauchen, und so musste auch das Fett des Fleisches konsumiert werden. Jahrhunderte lang war diese Zeit sogar in einigen Kulturen die Zeit der Hochzeiten, weil danach eine Periode der völligen Abstinenz folgte. Wie bei jedem Brauch gab es auch Höhen und Tiefen, je nach dem historischen Umfeld. Beispielsweise wurde die Fasnacht zu Beginn der Reformation in einigen Regionen praktisch vergessen, wie etwa in Bern.

Bei mir ist Fasnacht im Kalender eingetragen. Ich bewundere die Masken, Kostüme, Parolen und Laternen. Ab Aschermittwoch bereite ich mich mit Freude auf das Fest der Auferstehung vor. Ich finde es unethisch, dass dies, was in vielen Kulturen für plus-minus drei Tage toleriert wurde und noch wird, für einige ihren täglichen Zustand darstellt, ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse unserer Umwelt und unserer Mitmenschen.

Mir geben alle die zu denken, die nach dem Karneval weiterhin eine «Maske» tragen und die Feierlichkeiten in der Karwoche als «Showbühne» benutzen, beispielsweise durch ihr unnötiges Suchen von Aufmerksamkeit beim gemeinsamen Gebet.
Es machen mich alle die bitter, die nach der Fasnacht weiterhin ein «Kostüm als gute Fee» tragen. Sie wollen angeblich «Positives bewirken», aber sie missbrauchen ihre Macht unter anderem, um ihre Arbeitskollegen zu schikanieren.

Ich bete für alle diese Frauen und Männer, mögen sie sehen, dass Gott uns zu keinem ewigen «Karneval» eingeladen hat.

 

(Anmerkung der Redaktion: Nach den Beweggründen für diesen Beitrag gefragt, antwortet Frau Boller: «Ich habe kürzlich im Kino Rex den Film ‹Er› aus dem Jahr 1953 von Luis Buñuel gesehen. Dieser fängt an, als der reiche ‹Er›, der ebenso habgierig wie kirchentreu ist, bei dem Ritual der Fusswaschung mithilft, und endet Jahre später, als ‹Er› in einer klösterlichen Ordensgemeinschaft lebt. Vor allem war dieser Film mein Beweggrund.»)

 


Die Thuner Fasnacht


1964/65 sorgten «Ehebruch und Alkoholismus» für ein endgültiges Verbot der Thuner Fasnacht. Am 1. September 1998 dann gründeten 65 Thuner*innen den Verein Fasnachtsfreunde Thun; zum ersten Obergring ernannt wurde der verstorbene ehemalige CVP-Stadtrat Peter Holenstein.

Der Gründung voraus ging in den frühen 1980er-Jahren eine Tradition, die eng mit dem ebenfalls verstorbenen Pfarrer Alois Stammler der römisch-katholischen Martinskirche Thun zusammenhängt: Für all die Heimweh-Fasnächtler aus der Innerschweiz, dem Bündnerland und dem Wallis organisierte er einen Racletteabend mit Maskenball – und gab damit die zündende Idee für die erste Thuner Guggenmusig Chatzeschwänz.

In den 1990er-Jahren ergriffen die Frauen und Mütter der Schwesterkirche St. Marien in Thun die Initiative und starteten mit einem Kinderumzug entlang des Aarequais ins Bälliz und zurück. «Lumpezügli» nannten Ur-Thuner diese Fasnachtsumzüge spöttisch. Bis dann 1999 der Startschuss zum dreitägigen Narrentreiben fiel – inklusive Zepterübergabe vom Thuner Gemeinderat an den Obergring für mittlerweile vier Tage. 

Quelle
: Berner Zeitung, «Wenn die Narrenzeit beginnt, fängt für ihn der Abschied an»

 


Die Thuner Fasnacht ging Anfang Februar über die Bühne.

Karneval in Venedig: 8. Februar bis 25. Februar. Der traditionelle Bootsumzug findet am 9. Februar statt (La Festa Venezia sull’acqua). Das ist wirklich ein grosser Spass, ein Fasnachtsumzug auf dem Wasser mit Booten. Am 15. Februar folgt der zweite Corteo und das Festa delle Marie. Es gibt dann die grossen Maskenwettbewerbe, das Finale ist am 23. Februar. Ein Erlebnis. www.carnevale.venezia.it

Luzerner Fasnacht: Ab 15. Februar, eigentliche Fasnacht ab Schmutzigem Donnerstag, 20. Februar mit der «Tagwach», via Güdismontag (24. Februar) bis 25. Februar. Aschermittwoch, 26. Februar ist dann der Beginn der Fastenzeit, Fast- und Abstinenztag. Die grossen Umzüge finden am 20. Februar und am 2. Februar statt.

Solothurner Fasnacht: «Chesslete» am Schmutzigen Donnerstag, 20. Februar, 05.00, Umzug durch die Altstadt, Kinderfasnachtsumzug ab 14.31. Fasnachtsfreitag: Guggen und Schnitzelbänke in Beizen und Gassen. Fasnachtssonntag und -dienstag: Kanonenschuss um 14.31, dann 1. Umzug der Fasnachtswagen durch die Altstadt, Monster-Guggerete vor der St. Ursen-Kathedrale. Fasnachtsdienstag, 17.30: Zapfenstreich, Kostümierte hüpfen die Umzugsstrecke ohne Masken und singen dazu «I ma nümm». Aschermittwoch: Verbrennung des Bööggs. 

Kölner Karneval: 20.-26. Februar 

Karneval in Rio de Janeiro: 21.-26. Februar

Carnaval em Portugal:
21.-25. Februar

Berner Fasnacht: 27. Februar bis 29. Februar in der unteren Altstadt, Chinderumzug am 28. Februar, grosser Fasnachtsumzug und Monschterkonzärt am 29. Februar ab 14.30.

Langenthaler Fasnacht: 28. Februar bis 3. März

Basler Fasnacht: 2.-4. März, Beginn mit dem «Morgenstraich» am 2. März um 04.00. Grosse Umzüge am 2. März und am 4. März.



24. Februar 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 4
  • Pfarrblatt / Angelus