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Fasten, das –

Wenn ich auf Google nach «Fasten» suche, finde ich mit dem auf mich zugeschnittenen Suchalgorithmus als Erstes einen Artikel auf gesundheit.de: «Richtig fasten» lautet der Titel. Es geht darin um Entschlackung, das Zurückgeben von verlorenen Energien und die Reinigung von Schadstoffen. Das wird sicher auch mit meinem Background zusammenhängen, weiss Google doch zweifellos von meiner studentischen Existenz und der damit einhergehenden konstanten Vernachlässigung meiner Gesundheit und weist noch auf einen wichtigen Punkt hin: Fasten ist in erster Linie nicht religiös konnotiert, sondern gesundheitstechnisch. Tatsächlich?

Fasten ist ein Prozess der Reinigung und der Umkehr, des Nachdenkens. Die Fastenzeit bereitet auf Ostern vor, indem sie zurückschrauben will, einen Gang runterschalten, den Konsum mal stoppen. Das Fasten reinigt irgendwie, durch Verzicht auf Konsum als Ablenkung. Einen ähnlichen Zweck erfüllt das moderne Fasten auch. Der religiöse Faktor wurde extrahiert, der Prozess der «innerlichen Reinigung» geschieht nicht mehr im Hinblick auf Ostern, sondern wird sich selbst geschuldet: Fasten als Selbstoptimierung? Nicht mehr religiöse Riten, Glaubensinhalte und Begründungen sind ausschlaggebend, sondern die Selbstverantwortung, die Arbeit am Ich.

Natürlich ist es begrüssenswert, dass Fasten nicht nur als rituelle Pflicht gesehen wird – auch das katholische Fasten sollte reflektiert geschehen. Nichtsdestotrotz ist es bemerkenswert, wie religiöse Ideen und Konzepte in «säkularer Form» beibehalten werden. Die damit einhergehende Hoffnung auf Freiheit und Selbstbestimmung, da nun ohne Religion, hat sich nur bedingt erfüllt. Anstatt mit «irrationalen» Geboten der Religion sind sie nun begründet mit «rationellen» Geboten der Effizienz und der Ideologie der Maximierung. Gefährlich sind kompromisslose Forderungen an den Menschen immer.

Sebastian Schafer

«Katholisch kompakt» im Überblick

4. März 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 6
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