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Detailaufnahme vom «Hungertuch» aus dem Jahr 1994: Schifra und Pua, Schönheit und Glanz Gottes. Foto: Angela Büchel Sladkovic

«Frauen gestalten die Welt» – 1994

Sie wurden 1994 in der ganzen Schweiz bekannt: Schifra und Pua, zwei ausländische Hebammen in Ägypten, die in politisch schwierigen Zeiten, in einer Situation von Unterdrückung und religiöser Verfolgung so mutig und klug handelten und viele Leben retteten. Die Geschichte ist nachzulesen im Buch «Exodus, Kapitel 1». Schifra und Pua schmückten 1994 zusammen mit anderen biblischen Frauengestalten das Hungertuch für die Fastenzeitkampagne der Hilfswerke «Fastenopfer», «Brot für alle» und «Partner sein».

Die ökumenische Aktion« Frauen gestalten die Welt» lenkte erstmals die Aufmerksamkeit explizit auf die Situation und das Engagement von Frauen weltweit. 1988 hatte der Ökumenische Rat der Kirchen eine Dekade in Solidarität mit den Frauen ausgerufen. 1994 war Halbzeit und somit ein guter Zeitpunkt, in der Entwicklungsarbeit Frauen und ihre Anliegen sichtbar zu machen. «Überall dort, wo Frauen an der Veränderung ihrer Situation – für sich und ihre Kinder– arbeiten, wird ein wenig mehr von dem sichtbar, was Reich Gottes heissen könnte», so die Einführung in die Aktion. Schifra und Pua, die zwei Hebammen, heissen nicht ohne Grund «Schönheit» und «Glanz».

Die Kampagne wies darauf hin, dass Frauen von der zunehmenden Verarmung in vielen Ländern mehr betroffen sind als Männer. Frauen tragen meist die Verantwortung für das Überleben der Familie, haben jedoch weit weniger Zugang und Kontrolle über die Ressourcen als Männer. Die Verschuldungskrise führte in den 1990er Jahren zudem zu einem Abbau der staatlichen Gesundheitsdienste und Subventionen, was wiederum die Frauen «mit Fantasie und Mehrarbeit wettzumachen haben». Selbstkritisch hielt die Aktion fest, dass viele Entwicklungsprojekte für Frauen oft nur typisch weibliche Arbeiten wie Nähen oder Kinderpflege förderten und so bürgerliche, westliche Rollenmuster auf die Länder des Südens übertrugen. Die Fastenaktion versuchte, nicht in diese Falle zu tappen und vielfältige Frauenprojekte zu unterstützen. Die Kampagne war ein Erfolg und trug dazu bei, dem Anspruch von Frauen, gleichberechtigte Partnerinnen der Weltgestaltung zu sein, Nachdruck zu verleihen.

Angela Büchel Sladkovic


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10. August 2016
erstellt von «pfarrblatt»
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