An rund 80 Schweizer Orten leuchten Tausende von Kerzen. Foto: zVg

Freiwillige lassen «Eine Million Sterne» leuchten

Am 14. Dezember werden erneut Dutzende öffentliche Plätze in der ganzen Schweiz von Kerzen erleuchtet werden. Die jährliche Solidaritätsaktion der Caritas ist nur dank Hunderter freiwilliger Helfer*innen wie Beatrice Bucher und Heinz Messerli möglich. Ein Gespräch über ihr freiwilliges Engagement.

Von Oliver Lüthi

«Wer einmal dabei war, will immer wieder mitmachen.» Und: «Wenn es die Gesundheit zulässt, werde ich noch lange dabei sein.» Beatrice Bucher wurde vor einigen Jahren mit dem «Eine Million Sterne»-Virus angesteckt. Dieses Jahr wird sie bereits zum sechsten oder siebten Mal am Anlass mitwirken. Mit dabei sein wird auch ihr Lebenspartner Heinz Messerli: «‹Eine Million Sterne› ist einfach ein stimmungsvoller Anlass. Er passt in die Jahreszeit und der Bundesplatz ist ein idealer Standort.»

Steigende Armut

Wie Beatrice Bucher und Heinz Messerli engagieren sich jedes Jahr Hunderte freiwilliger Helfer*innen bei «Eine Million Sterne» (EMS). Ohne sie könnte der Solidaritätsanlass für benachteiligte Menschen nicht durchgeführt werden. Niemand sonst verkörpert die Grundidee von EMS so gut wie diese Freiwilligen. Bei Wind und Wetter helfen sie beim Aufbau der Kerzenfelder, leisten Unterstützung beim Getränkeverkauf oder wirken bei den verschiedenen Rahmenprogrammen mit. Mit ihrem Einsatz tragen sie dazu bei, die Realität von armutsbetroffenen Menschen in der Schweiz ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. 670‘000 Menschen sind gemäss aktuellen Zahlen in der Schweiz von Armut betroffen – Tendenz steigend.

Vielfältiges Engagement

Bei Beatrice Bucher und Heinz Messerli beschränkt sich das freiwillige Engagement nicht nur auf EMS. Sie engagiert sich zusätzlich in einem Alters- und Pflegeheim. Und er wirkt beim Generationenprojekt «Win3» der Pro Senectute mit und begleitet Alzheimer-Erkrankte auf Wanderungen. Auch für Caritas engagiert sich Heinz Messerli. Er unterstützt einen jungen eritreischen Flüchtling beim Deutschlernen und bei der Jobsuche. «Mir wird dabei immer wieder klar, dass jeder Mensch die gleichen Bedürfnisse hat. Neben materiellen Grundbedürfnissen gehört auch das Bedürfnis nach sozialem Austausch dazu», sagt Herr Messerli über seine Erfahrungen bei der Begleitung des jungen Eritreers.

Prägende Flüchtlingskrise

Bucher und Messerli sind seit vielen Jahren freiwillig tätig. Sie betonen, dass sie damit etwas «vom Glück oder den Privilegien», die sie selbst haben, zurückgeben wollen. «Wir haben zwar nicht so viel Geld zur Verfügung, dafür Zeit», so Beatrice Bucher. Ein prägendes Erlebnis war für beide die grosse Flüchtlingskrise von 2015. Gemeinsam fuhren sie damals mit einem Camper, voll beladen mit Spielzeug und Kleidern, in ein Flüchtlingscamp in der Nähe von Thessaloniki in Griechenland. Die Waren, die sie dort verteilten, hatten sie vorgängig im Freundes- und Familienkreis in der Schweiz gesammelt. Die Motivation, sich freiwillig zu engagieren, verstärkte sich nach dem Besuch in Griechenland und «sei ansteckend», finden beide. Diese Motivation werden sie bei «Eine Million Sterne» am 14. Dezember wieder ausleben können.

 

«Eine Million Sterne» 2019
Der jährliche Kerzenanlass findet dieses Jahr am Samstag, 14. Dezember, statt. Der Hauptanlass im Kanton Bern wird auf dem Bundesplatz durchgeführt. Ab 16.00 können Kerzen erworben und platziert werden, und die Caritas Bern schenkt warme Getränke aus. «Eine Million Sterne» kann auch finanziell unterstützt werden: PC 30-24794-2, Stichwort EMS. Die Spenden kommen armutsbetroffenen Familien im Kanton Bern zugute.

 

 

 

 

 

 

27. November 2019
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 25
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