Maude Barlow, Wasseraktivistin und Vorsitzende des Council of Canadians, Kanada. Foto: zVg

Für Konzerne ist Wasser Gold wert

Das wunderbare Gut hat uns diesen Sommer in der Aare manche willkommene Abkühlung ermöglicht. Es sprudelt frisch aus dem Hahn. Nun wurde es sogar auf dem Mars in flüssiger Form gefunden.


Aber dennoch haben viele Menschen auf unserer Erde keinen Zugang zu sauberem Wasser. Zugleich wird es zu einer immer begehrteren Handelsware. Es ist Gold wert, das Wasser, im übertragenen und im wörtlichen Sinn.

Am Anfang der Schöpfungsgeschichte unserer Bibel schwebte die göttliche Geistkraft über dem Wasser. Auch in den Mythen anderer Kulturen steht das Wasser am Urbeginn des Seins. Und es begleitet die Menschen in allen Religionen symbolisch durch das Leben: In den Reinigungsritualen des Islam oder des Judentums beispielsweise hat es eine äusserlich und eine innerlich reinigende Funktion. In hinduistischen Traditionen, bei den Sikh u.a. wird Bädern heilende Wirkung zugeschrieben. Als ChristInnen kennen wir geweihtes Wasser von der Taufe bis zum Begräbnis.

Ohne Wasser kein Leben. Diese Binsenwahrheit kennt jedes Kind. Der Mensch besteht zu 70%aus Wasser. Wir brauchen täglich mehrere Liter Wasser, um zu leben. Aber noch immer haben über 11% der Weltbevölkerung keinen Zugang zu sauberen Quellen, täglich sterben Tausende an den Folgen verschmutzen Wassers. Und das, obwohl die Erde nach Schätzungen der UNO in Meeren, Flüssen, Seen, Quellen und unterirdischen Vorkommen 1,4 Milliarden km3 Wasser enthält.

In seiner Umweltenzyklika «Laudato si’» warnt Papst Franziskus ausdrücklich davor, das Wasser dem Markt zu überlassen. Da ist zuerst die Börse im Blick und nicht eine intakte Wasserinfrastruktur und zugängliche Quellen für alle. So ist heute die Rede von der «Petrolisierung» des Wassers. Nicht nur im übertragenen Sinn, auch ganz handfest in den Kassen gewisser Konzerne ist Wasser Gold wert!

Die diesjährige Herbsttagung der OeME thematisiert Wasser in seiner existenziellen Bedeutung auf verschiedenen Ebenen: Maude Barlow aus Kanada, Trägerin des alternativen Nobelpreises und Wasserberaterin der UNO, spricht über das Recht auf Wasser. Der brasilianische Benediktinermönch Marcelo Barros, der seit Jahrzehnten mit den Menschen der Landlosenbewegung kämpft, geht in seinem Referat dem Wasser als Sakrament des Lebens und des Friedens nach. Zudemwerden konkrete Handlungsoptionen vorgestellt wie die Initiative Blue Community. Wir diskutieren, welchen Beitrag Kirche, Staat, Zivilgesellschaft leisten müssen, damit wir eine globale Wasserkrise abwenden und die blaue Zukunft sichern können. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

Judith von Rotz, Fachstelle Kirche im Dialog

Einladung zur OeME-Herbsttagung
Die blaue Zukunft sichern: Für einen gerechten Zugang zu Wasser.
Samstag, 28. November, 08.45–16.30, Kirchgemeindehaus Johannes, Wylerstr. 5, 3014 Bern.
Hauptreferate: Maude Barlow, Wasseraktivistin und Vorsitzende des Council of Canadians, Kanada; Marcelo Barros, Benediktinermönch und Theologe, Brasilien.
Flyer für Infos und Anmeldung bis 7. November: www.kathbern.ch/gfs oder judith.vonrotz(at)kathbern.ch

 

14. Oktober 2015