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Gerechtigkeit, die –

Was hat Gerechtigkeit mit «christlich Leben» zu tun? ALLES, ist (nicht nur) Sebastian Schafers Meinung

Oliver Bäte ist 53 Jahre alt und seit drei Jahren CEO des Allianz-Versicherungskonzerns. Im Jahr 2017 verdiente er knapp 5 Millionen Euro. In einem Interview mit der «Zeit» sagte Bäte kürzlich, Gerechtigkeit sei für ihn ein marxistischer Begriff. Er wisse nicht, was das sein solle – Gerechtigkeit.

Lassen wir uns das auf der Zunge zergehen. Kann man sich eigentlich eine unchristlichere Haltung vorstellen? «Will man alles, was die Bibel über Gott und Mensch zu sagen hat, mit einem einzigen Wort zusammenfassen, so kommt allein der Begriff der Gerechtigkeit infrage», so im Gegenzug die Aussage des Alttestamentlers Frank Crüsemann. Im Alten Testament nimmt die Gerechtigkeit den grösstmöglichen Stellenwert ein. Konnotiert wird der Begriff allgemein mit dem hebräischen Wort «zedaqa». Das Wort bezeichnet ein Tun, und zwar ein Handeln, hingerichtet auf die Beziehungen innerhalb einer Gesellschaft – eigentlich ein Tun, das Ausgleich schafft, Gleichgewicht und «Ordnung» wiederherstellt. Welches das Wohlergehen aller im Blick hat. Ob Oliver Bätes Handeln dem «zedaqa» entspricht, sei hier dahingestellt.

Der offensichtliche Versuch, Gerechtigkeit als etwas Konstruiertes, Forciertes, Ideologisches darzustellen, muss für Christen absolut inakzeptabel sein. Eine solche Haltung zielt einzig und allein darauf ab, gierige Bereicherung zu rechtfertigen – indem jegliche Kritik daran als subjektiv weggewischt werden soll. Das steht im absoluten Gegensatz zu den Aussagen nicht nur der Propheten und Stammväter, sondern Christi selbst. Ein Handeln im Sinne Jesu, «zedaqa» eben – das sich den Armen zuwendet, den Entrechteten und Heimatlosen hilft – das ist als Letztes in einem Interview mit Oliver Bäte zu finden. Und Herrn Gerhard Pfister, dem diese Aussagen wahrscheinlich zu politisch für die Kirche sind (vgl. «pfarrblatt»-Kommentar dazu in der Nr. 2, Seite 40), sei der Prophet Amos 5,21–27 entgegengehalten: Frommes Gebet und braver Gottesdienst stossen auch den lieben Gott ab, wenn gleichzeitig Sozialleistungen gekürzt werden. Da, ich hab’s gesagt.

Sebastian Schafer

katholisch kompakt im Überblick

 

 

23. Januar 2019
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 3
  • Pfarrblatt / Angelus
  • Spirituelles