«pfarrblatt»-Redaktorin Sylvia Stam. Foto: Christoph Wider

Bischof Gmürs Paroli nach Rom ist bitter nötig

Bischof Felix Gmür verteidigt das Schweizer Kirchenmodell gegenüber Rom. Das ist angesichts der Weltfremdheit der Kleruskongregation auch bitter nötig.

Sylvia Stam

Es hat lange gedauert, ehe sich ein Schweizer Bischof zu Wort meldete. Während die harsche Kritik Deutscher Bischöfe den Vatikan inzwischen veranlasst hat, ihnen ein Gesprächsangebot zu unterbreiten, hüllten sich die Mitglieder der Schweizer Bischofskonferenz zehn Tage lang in Schweigen. Einzig aus Zürich war der erfrischende Dank von Generalvikar Josef Annen an die «Pfarreibeauftragten» zu lesen.

Umso erfreulicher ist es, dass sich der Basler Bischof Felix Gmür nun aus seinen Ferien mit so klaren Worten in die Debatte einmischt. Er nimmt damit nicht nur seine Verantwortung als Vorgesetzter wahr. Seine Worte zeugen darüber hinaus von Wertschätzung gegenüber seinen Mitarbeiter*innen und vom Bewusstsein, dass kirchliches Leben nur im Zusammenspiel aller Gläubigen – ob geweiht oder nicht - gelingen kann.

Demgegenüber zeugt das Papier aus Rom, das völlig unerwartet und ohne Medienkonferenz publiziert wurde, von einer Weltfremdheit, die ihresgleichen sucht. Wer Leitungsgewalt zwingend an die Weihe knüpft, huldigt als Kleriker einem egozentrischen Dünkel, den auch Papst Franziskus schon mehrfach gegeisselt hat. Eine solch patriarchale Haltung verkennt die Ebenbürtigkeit von Männern und Frauen und kann nicht anders denn als Ausdruck der Angst gedeutet werden. Gänzlich lächerlich macht sich die Kleruskongregation mit ihrem Vorschlag, Priester dürften wieder bei ihren Eltern einziehen, wenn kein Pfarrhaus zur Verfügung stehe.

Dass Felix Gmür diesem Schreiben aus Rom Paroli bietet, stärkt all jenen Frauen und Männern den Rücken, die sich hierzulande für eine glaubwürdige und zeitgemässe Kirche engagieren. Dafür gebührt dem Basler Bischof Respekt und Dank.

 

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30. Juli 2020
erstellt von «pfarrblatt» online
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