Herausgegriffen

Humanes Sterben aus der Sicht des Glaubens

Anlässlich des Tags der Menschenrechte am 10. Dezember hat das Bistum Chur ein Bischofswort veröffentlicht. Der Kommentar von Bischof Vitus Huonder richtet sich an das ganze Bistum und behandelt das Thema der Sterbehilfe.

Im Papier mit dem Titel «Humanes Sterben aus der Sicht des Glaubens» äussert sich der Bischof ablehnend gegenüber der Praktik der passiven Sterbehilfe. Er begrüsst zwar palliative Methoden, welche sich einfühlsam und in ganzheitlicher Sorge um das Wohlergehen von Schwerkranken kümmert. Jedoch fällt das Urteil des Bischofs klar aus, wenn es um lebensverlängernde Massnahmen geht: Es müsse immer darum gehen «das Leben zu respektieren, aber ebenso das Sterben nicht unverantwortlich hinauszuschieben.» In keinem Falle dürfe Sterbebegleitung Beihilfe zum Suizid sein. 

Die Beihilfe zum Suizid stellen für Bischof Vitus auch bei der Sakramentenspendung ein unüberwindbares Hindernis dar: «Die Bereitschaft zur Selbsttötung des Patienten und die Beihilfe Umstehender und Verwandter dazu versetzen den Priester in eine geradezu unmögliche Lage, wenn er für die Spendung der Sakramente gerufen wird.» Die Voraussetzungen zu deren Spendung seien meist nicht gegeben: Der Priester solle also auf die Spendung der Krankensalbung verzichten.
Der römische Katechismus versteht die Krankensalbung als Wegzehrung, als Spende von Kraft, damit sich der Sterbende für immer mit Christus vereinigen können; Als Heilung der Seele, damit ihm die Sünden vergeben werden; Und als Vollendung der christlichen Salbungen, welche das Leben prägen. Für Bischof Huonder bleiben diese Spenden den Menschen, welche sich für Suizid entscheiden, leider verwehrt.


Trennung von Staat und Religion ja, bedingungsloser Laizismus Nein

Papst Franziskus hat sich in einem Interview mit der belgischen Zeitschrift «Tertio» kritisch gegenüber einem bedingungslos laizistischen Staat geäussert. Grundsätzliche begrüsse er die Trennung von Religion und Staatswesen: Das sei gesund, im Gegenzug nehme es mit einem konfessionellen Staat meist ein übles Ende.

Jedoch sei der Laizismus durchaus mit Sorgfalt handzuhaben. Er verschliesse die Gesellschaft gegenüber dem Gefühl für Transzendenz. «Laizismus verschließt die Tür vor der Transzendenz, der doppelten Transzendenz: nämlich der gegenüber den anderen und der gegenüber Gott – oder dem, was uns übersteigt. Die Öffnung zur Transzendenz gehört zum Wesen des Menschen.»
Er spreche damit nicht einmal spezifisch Religion, sondern grundsätzlich von Anthropologie: Die Suche nach dem Transzendenten sei tief im Wesen des Menschen verankert.

Der Papst verurteilte weiter religiösen Hass und Gewalt. Dies existiere, könne jedoch nicht nur auf Religion zurückgeführt werden: «... keine Religion als solche kann Krieg hervorbringen, weil sie in diesem Fall einen Gott der Zerstörung, des Hasses proklamieren würde. Man kann keinen Krieg im Namen Gottes oder im Namen einer religiösen Position führen.» Vielmehr seien «religise Deformationen» der Ursprung solcher Gewalt.

Redaktion: Sebastian Schafer

7. Dezember 2016
erstellt von «pfarrblatt»
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