Foto: Pia Neuenschwander

Ich kann nicht beten

Allenthalben gibt es Anleitungen, wie man Ostern zu Hause feiern kann. Gemacht ist das für geübte Beter*innen oder Gottesdienstgänger*innen. Was machen alle anderen? Das «pfarrblatt» hat beim Liturgischen Institut in Freiburg und bei der Fachstelle für Religionspädagogik in Bern nachgefragt.

Von Andreas Krummenacher

E-Mail an das Liturgische Institut der deutschsprachigen Schweiz in Freiburg, die Instanz für Gottesdienstformen, für die Gestaltung religiöser Feiern:

«Wie kann man in Zeiten des Virus Ostern feiern? Man ist zu Hause, vielleicht sind noch Kinder da, oder man ist als ältere Menschen gleichsam gefangen in den eigenen vier Wänden. Nehmen wir nun an, es ist Ostern. Vielleicht wäre man ja unter normalen Umständen in den Gottesdienst gegangen. Oder an ein Konzert. Gerade an Ostern. Das geht nun nicht. Man ist nicht geübt im Bibellesen. Ein lautes Gebet hat in der Familie keine Tradition. Man möchte aber doch noch etwas mehr. Gibt es eine gute Idee, einen Vorschlag, was man für das religiöse, das spirituelle Nachdenken tun könnte? Kann man einfach so beten, wenn das nicht eingeübt ist? Ist ein Familienmorgen mit Zmorge und bewussten Gesprächen auch eine Form von Liturgie? Ich weiss es nicht. Es ist schwierig, wenn jemand sonst bloss an Ostern in den Gottesdienst geht, ihm oder ihr ausgerechnet jetzt die Bibellektüre zu empfehlen. Wie könnte das Religiöse klug Einzug halten? Aber bitte einfach und verständlich. Vielen Dank für eine Antwort.»

Antwort der Theologin Dr. Gunda Brüske vom Liturgischen Institut

«Was ist der Kern der Osterbotschaft? Ganz einfach gesagt: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Das ist eine ziemlich aktuelle Botschaft. Da wurde ein Mann hingerichtet, Jesus mit Namen, und drei Tage später begegnet er seinen nächsten Freunden. Sie erkennen, dass er es ist, dass er lebt, wenn auch ganz anders. Ostern feiern Christen diesen einmaligen, besonderen Schritt vom Tod zum Leben, vom Dunkel zum Licht, von der Trauer zur Freude. Kann man das feiern, auch wenn man gar nicht weiss wie? Ja, man kann eine Kerze in der Dunkelheit anzünden und einfach den Namen Jesu aussprechen. Man kann über die Situation der letzten Wochen sprechen. In den Momenten von Betroffenheit, die es sicher gibt, kann jede und jeder in seinem Herzen sagen: Zeig du den Weg vom Tod zum Leben. Im Gespräch wird sicher auch von unwahrscheinlichen, kreativen Aktionen menschlicher Verbundenheit die Rede sein. Warum nicht mal bei einem Wow-Effekt nachfragen: Warst du da im Spiel, Gott? Vielleicht braucht es für den Anfang gar nicht mehr. Und wer Freude hat an kleinen gottesdienstlichen Elementen für Familien findet im Internet jetzt sehr viel Gutes, auch Einfaches.» Gunda Brüske, 23. März

 


Hinweise

Frau Brüske hat ihrer E-Mail noch viele Tipps angefügt. Empfehlenswert sind zweifellos die Sammlungen beim Liturgischen Institut selbst. Es gibt Osterfeiern für zu Hause, für die Heilige Woche oder Gebetstexte in Zeiten des Virus. Die Sammlung wird laufend erweitert. www.liturgie.ch

Auch das Deutsche Liturgische Institut hat nützliche und lesenswerte Inhalte erarbeitet. Hier gebe es auch Kinderbibeln in verschiedenen Sprachen: https://dli.institute/wp/startseite-institut/ und http://dli.institute/kinderbibel/

Weiter empfiehlt Gunda Brüske die folgenden Seiten mit nützlichen Sammlungen und Hintergründen:
www.trotzdemnah.at
www.netzwerk-gottesdienst.at
www.kath-kirche-vorarlberg.at

 

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31. März 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 8
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