Alex L. Maier im Garten des Pfarrhauses in Wangen an der Aare

Im Garten des Pfarrhauses in Wangen an der Aare

Alex L. Maier im Garten des Pfarrhauses in Wangen an der Aare

Im Pfarrgarten

Nach knapp 22 Jahren zieht der Oberaargauer Pastoralraumpfarrer Alex L. Maier von Wangen an der Aare nach Reinach BL. Eine Begegnung vor Ort.

Text und Foto: Andreas Krummenacher

Alex Maier sitzt im Pfarrgarten in Wangen a. A., zeigt auf Rosen, erzählt, wie sie heissen, wann er sie gepflanzt hat. Wie seine Rosen hat auch er Wurzeln geschlagen. Angefangen hat alles 1995 mit einem Vikariat in Interlaken. Im Herbst 1998 wurde er dann Pfarrer in Wangen. 22 Jahre lang war er hier. Nun ist es Zeit, aufzuräumen, abzuschliessen, loszulassen.

Der blitzgescheite Theologe ist schnell in seinen Gedankengängen, ironisch, bisweilen bissig. Er diskutiert gern, sagt seine Meinung. Alex Maier fällt auf. Man erkennt sofort, dass er Priester ist. Stolz trägt er den sogenannten Römerkragen. «Man kennt diesen heute fast nur noch aus dem Krimi im Fernsehen», erzählt er schmunzelnd. Daraus abzuleiten, er sei konservativ, wäre falsch. Kategorisieren lässt er sich nicht. Er selbst findet solche Diskussionen überflüssig. Es gebe verschiedene Meinungen, deswegen kündige er niemandem die Liebe auf.

Die multikulturelle Kirche in der Schweiz sei längst Realität. Für ihn bedeutet das: «Wir müssen katholisch bleiben, also alles umfassend und offen sein. Vieles hat Platz, und wir sind mehr, als was gerade um unseren Kirchturm herum passiert. Vielleicht haben andere auch Traditionen, die wertvoll sind. Diese gilt es zu prüfen und allenfalls zu integrieren. Man kann beispielsweise am Palmsonntag sowohl Palmsträusse als auch Olivenzweige gut und richtig finden.» Gehe es um Kirchenbilder und Reformstau, sei man sich schnell einig, dass sich alle und alles ändern müsse, nur man sich selbst nicht. Er plädiert für mehr Gelassenheit. Alex Maier wäre nicht Priester, würde ihm die Liturgie nicht am Herzen liegen. Das sei ein wesentlicher Auftrag der Kirche. Die Schönheit einer Liturgie müsse im Menschen etwas bewegen. «Sie kann mich beruhigen, wenn ich unruhig bin, sie kann mir Impulse geben, wenn ich lethargisch bin», sagt er. Die Liturgie sei etwas Bleibendes, sie sei einzigartig.

Die kirchlichen und religiösen Bedürfnisse der Menschen hätten sich in den letzten 22 Jahren sehr verändert. Die Kirche werde definitiv nicht mehr für die Freizeitgestaltung gebraucht. Sakramente, Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen würden stets nachgefragt, und Gemeinschaft werde in der Pfarrei immer noch gesucht, aber nicht mehr in Vereinen oder Verbänden. Für Alex Maier ist darum eine ideale Pfarrei in erster Linie lebendig und auf das Wesentliche konzentriert. Wesentlich ist für ihn «der Glaube an Jesus Christus als Auferstandenen, miteinander unterwegs sein, Zeugnis davon geben in dieser Welt». Das müsse man erklären und vermitteln. Wir würden heute zu wenig Zeit in religiöse Inhalte investieren. «Die Menschen wachsen nur noch selten in den Glauben hinein.» Sie seien auf der Suche – Glaube, Gottesdienste und Glaubensfeiern würden aber kaum noch mit dem Alltag verknüpft, so Alex Maier. «Darum bleiben sie letztlich ohne nachhaltige Wirkung.»
«Die Menschen miteinander ins Gespräch bringen und zu Christus führen», das sei für ihn im Oberaargau ganz zentral gewesen. Er glaubt auch, dass ihm das über Generationen und Sprachgrenzen hinweg gelungen sei. Es sei für die Kirche überhaupt wichtig, Präsenz zu markieren, denn sie sei besser als ihr Ruf. Er erwähnt verschiedene Gottesdienste und Feiern, etwa am kantonalbernischen Jodlerfest oder andere ökumenische Begegnungen.

Mit grosser Geste und voller Ironie erzählt er, sein Seelsorgesprengel reiche von der Schmiedenmatt bis zur Lüderenalp. Im Baselbiet werden die Wege nun kürzer. Was wird er vermissen? «Die Menschen, das Team und Beziehungen», sagt Alex Maier. Vieles aber werde sich nicht verändern, er bleibe ja Pfarrer.


Alex Maier war Domherr und damit Mitglied im Domkapitel, das den Bischof berät, unterstützt und jeweils einen neuen Bischof wählt. Er war Vertreter des Kantons Bern, zusammen mit Christian Schaller, dem Pfarrer der Stadtberner Dreifaltigkeitspfarrei, und dem am Bischofssitz in Solothurn residierenden Weihbischof Denis Theurillat. Das Domkapitel erstellt jetzt eine Liste mit sechs Namen von Priestern im Kanton Bern, und die Berner Kantonsregierung kann anschliessend gegebenenfalls Namen streichen. Bischof Felix wird aus dieser Liste daraufhin einen neuen Domherren bestimmen.

 

 

1. September 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 19
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