pfarrblatt:

News-Artikel

Nadja Heimlicher (1984) ist diplomierte Hôtelière- Restauratrice HF und studiert auf dem zweiten Bildungsweg an der Uni Bern Theologie.

Im Strudel der Nacht...

Kommende Prüfungen, fällige Rechnungen, ausstehende Stipendienentscheide, die Steuererklärung und eine ganz ungewisse Zukunft vermischen sich mit schrottreifen Atomreaktoren, ölverklebten Vögeln und verhungernden Kindern zu einer vernichtenden Brühe. Zähflüssig wälzt sie sich in meinem Kopf und reisst jeden klaren Gedanken mit sich in verschlingende Finsternis. Das Gegenteil zu dieser lähmenden Sorgensuppe ist ein Satz: «Sorgt euch nicht.» Nicht um euer Leben, nicht um die Nahrung, die Kleidung, nicht um den morgigen Tag. Ein Satz, leicht wie die Vögel des Himmels und luftig- zart wie Blumen auf einer Frühsommerwiese.

«Sorgt euch nicht» ist die Einladung Gottes, ganz auf ihn zu vertrauen – im Kleinen wie im Grossen. Es ist Einladung zu einem Vertrauen, neben dem Sorge und Angst keinen Platz mehr haben. Tor zu einem Leben, in dem ich nicht mehr muss, sondern darf, weil Gott weiss, was ich brauche. Vernünftige Stimmen erwidern jetzt: wie naiv, wie verantwortungslos! Welch unerträgliche Unsicherheit! Und überhaupt, schau dich doch um: Wo du hinblickst herrschen Ungerechtigkeit, Ignoranz, Gier, Zerstörung und Chaos.

Gerade deswegen versuche ich, Gottes Einladung immer wieder anzunehmen. Gerade weil diese Welt ist, wie sie ist, weigere ich mich, mich von Sorgen lähmen und von Angst treiben zu lassen. Das würde bedeuten, aufzugeben. Ich will aus der Fülle des Lebens schöpfen und in Dankbarkeit alles, was ich habe und kann, wieder in diese Fülle hinein zurückgeben. Will meine Energie nicht dort verschwenden, wo sie in unüberblickbarer Weite und Ferne versandet, sondern mich hier und jetzt einsetzen, wo ich etwas bewirken kann. «Sorgt euch nicht» bringt den Strudel der Nacht zum Stillstand. Die Gedanken um alles, was ich nicht sofort ändern kann, verstummen. «Sorgt euch nicht» wird zu einem weichen Kissen, auf dem ich ruhig schlafe. Dann kommt ein neuer Morgen und ich mache mich ausgeruht und gelassen auf in den Tag, der für sich selber sorgt.  

11. August 2011