Praktisch alle Teilnehmerinnen des Treffs hätten sich über Jahre freiwillig engagiert und dabei Enormes geleistet. Foto: Pia Neuenschwander

Der «Frauen-Treff 65+» der Dreif nährt Seele, Geist und Körper. Foto: Pia Neuenschwander

Der Frauen-Treff hat immer einen religiösen Bezug, das unterscheidet ihn von anderen Senior*innenangeboten. Foto: Pia Neuenschwander

In bester Gesellschaft

Seit 2019 organisiert Ursula Fischer den «Frauen-Treff 65+» der Berner Dreifaltigkeitspfarrei. Einmal pro Monat lädt sie Senior*innen zu heiter-besinnlichen thematischen Nachmittagen mit Gesprächen, Gebäck und Getränken ein.


von Anouk Hiedl


Es ist ein kalter Januarnachmittag. Immer wieder treffen Einzelne oder Grüppchen bei der Rotonda ein, dem grossen, runden Pfarreisaal der Berner Dreifaltigkeitspfarrei (Dreif). Die Gäste scheinen sich hier auszukennen. Die meisten sind weisshaarig, einige sitzen im Rollstuhl. Zielgerichtet steuern sie den Lift an, der sie ins Untergeschoss bringt. Dort klingt heiteres Stimmengewirr aus dem Saal, wo sich die Anwesenden an den gedeckten Tischen begrüssen.

«Wir fangen den Frauen-Treff 65+ stets mit einem gemeinsamen Austausch bei Kaffee und Kuchen an», berichtet die Theologin Ursula Fischer. «Darauf freuen sich alle. Nach einer guten halben Stunde starten wir dann mit dem thematischen Teil.» Der Frauen-Treff hat immer einen religiösen Bezug, das unterscheidet ihn von anderen Senior*innenangeboten. Die Themen reichen von Filmnachmittagen über eine Museums- oder Rosengartenführung bis hin zu Vorträgen über Demenz, Armut im Alter oder das Reden über die letzten Dinge. Die Besinnung am Nachmittag ist jeweils spezifisch auf ältere Menschen zugeschnitten und erweitert das liturgische Angebot in der Kirche.

Dankbar

Die Dreif blickt auf eine lange Tradition des Frauen- und Müttervereins zurück. «Mit der Zeit wurden die angebotenen Vollmondwanderungen oder Ganztagesausflüge für die älter gewordenen Frauen zu anstrengend, das Programm passte nicht mehr. Als es zu diversen Personalwechseln kam, versandeten die regelmässigen Treffen schliesslich ganz», berichtet Ursula Fischer. Seit Januar 2019 arbeitet die Theologin für den «Frauen-Treff 65+» ein Programm aus, das auch frisch Pensionierte ansprechen soll. «Mehrheitlich sind unsere Teilnehmenden zwischen 75 und über 90 Jahre alt. Die Frauen schätzen es, unter sich zu sein. Wir haben aber auch einige Herren dabei, die gerne kommen und bestens akzeptiert sind.» Praktisch alle Teilnehmerinnen des Treffs hätten sich über Jahre freiwillig engagiert und dabei Enormes geleistet. «Manche helfen noch immer tatkräftig mit. Ohne diese Frauen wäre die Dreif nicht, was sie ist», sagt Ursula Fischer mit Nachdruck. «Der Frauen-Treff ist auch ein Dank dafür.»

Vertraut

Für den monatlichen zweistündigen Frauen-Treff wählt Ursula Fischer häufig den Montag. «Einsamkeit ist bei Betagten ein grosses Thema. Sie sollen sich nach einem mitunter allein verbrachten Wochenende auf ein geselliges Beisammensein am Wochenanfang freuen.» Ähnliche Veranstaltungen finden sich auch bei Pro Senectute oder im Generationenhaus. Bei der Dreif sei den Teilnehmenden Vieles vertraut. «Sie treffen auf bekannte Gesichter, finden sich vor Ort zurecht und wissen, wo die Toiletten sind und der Rollator abgestellt werden kann.» Ursula Fischer kennen die Teilnehmenden aus der Liturgie, der Seelsorge oder dem Pfarrhaus. «Alle sind in einem Alter, in dem Spitalaufenthalte vorprogrammiert sind. Zu wissen, dass ich auch in der Spitalseelsorge tätig bin, schafft Anknüpfungspunkte bei Gesprächen», erklärt die Theologin.

Ein weiteres Geheimnis des Frauen-Treffs: Bei rund 60 Frauen und einigen Senioren liegt monatlich Post von der Dreif im Briefkasten. Die gut lesbare, farbig gestaltete Einladung weckt Erinnerungen, Interesse und Vorfreude auf das nächste Treffen. «Eine Frau hat mir erzählt, dass sie alle Flyer und Begleitbriefe aufhebt», so Ursula Fischer. «Ein älterer Herr ist auch seit dem Tod seiner Partnerin weiterhin regelmässig dabei. Und eine Frau kommt extra jedes Mal aus dem Wallis zum Frauen-Treff nach Bern.»

 

Nächster «Frauen-Treff 65+»: Hinter den Kulissen. Einblick in die Sakristei mit ihren Schätzen sowie Orgelbesichtigung mit musikalischen Kostproben. Montag, 10. Februar, 15.00 bis 17.00, Pfarrhaus, Saal im UG, Taubenstr. 4, Bern.Das Jahresprogramm 2020 finden Sie im Schriftenstand oder auf der Webseite der Dreifaltigkeitskirche.

«Frauen-Treff 65+»: Jahresprogramm 2020

 

 

5. Februar 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 4
  • Pfarrblatt / Angelus
  • Soziales